JFMH 17: Aufruf zur Bewerbung um die Ausrichtung

Für die Ausrichtung des JFMH im Frühsommer 2017 bitten wir um Bewerbungen.  

Das Junge Forum für Medien und Hochschulentwicklung (JFMH) versteht sich als Nachwuchstagung unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd), der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), der Gesellschaft für Informatik (GI, Fachgruppe E-Learning) sowie der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE, Sektion Medienpädagogik).

Als ein Forum des Austausches richtet sich das JFMH an Forschende, Lehrende und Praktiker/innen sowie alle weiteren Interessierten aus dem Feld der Hochschuldidaktik, Mediendidaktik, Medienpädagogik und E-Learning aus und an Schulen, Hochschulen, (Aus-/Weiter-) Bildungsanbietern und allen weiteren Lernorten.

Das Junge Forum hat eine noch recht junge Tradition. Es wurde bisher erfolgreich an folgenden Orten ausgerichtet:

Typischerweise findet das JFMH an zwei Tagen im Frühsommer statt. Der Ausrichter 2017 sollte bis zu 100 Teilnehmer/innen einplanen. Die Trägergesellschaften des JFMH sind daran interessiert, die Teilnahmegebühren für diese Nachwuchstagung gering zu halten, um dem Nachwuchs eine kostengünstige Teilnahme zu ermöglichen. Die Gestaltung der Tagung (u.a. Verbreitung eines Calls, Begutachtung und Auswahl der Einreichungen, Gestaltung des Programms) erfolgt durch den Ausrichter  in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Vertreter/innen der Fachgesellschaften.

Eine aussagekräftige Bewerbung mit Angaben über

  • die ausrichtende Institution und deren Bezug zum Thema Medien und Hochschulentwicklung,
  • die an der Gestaltung und Organisation beteiligte/n Person/en,
  • einen inhaltlichen Schwerpunkt und ein Tagungsmotto (Vorschlag)
  • sowie Überlegungen zum Aspekt der Nachwuchsförderung

erbitten wir bis zum 31. August 2017 an die Vertreter/innen für die Nachwuchsförderung in den Fachgesellschaften per Mail an jfmh@httc.de, einen Verteiler aller nachfolgend genannter Vertreter/innen der Fachgesellschaften.

Für Rückfragen stehen wir sehr gerne per Mail an jfmh@httc.de zur Verfügung.

Angelika Thielsch, Timo van Treeck und Diana Bücker für die dghd

Andrea Gumpert für die GMW

Valentin Dander und Franco Rau für die DGfE

Johannes Konert für die GI Fachgruppe E-Learning.

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Digitalisierung und E-Learning – Buzzwords oder Definitionen?

Michael Kerres, Professor  am Digital Learning Lab der Uni Duisburg-Essen, veröffentlichte vor einigen Wochen den Preprint zu seinem Artikel im Handbuch E-Learning.

Die zentrale Frage des Artikels:

E-Learning vs. Digitalisierung der Bildung: Neues Label oder neues Paradigma?

Kerres erörtert, ob die Verwendung des neueren Begriffes der Digitalisierung (statt E-Learning) einen echten Perspektivenwechsel bedeutet oder nur „alter Wein in neuen Schläuchen“ ist. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass E-Learning den Fokus eher auf den Lernprozess im engeren Sinne legt (sind PDF-Schleudern schon E-Learning?) und Digitalisierung die Durchdringung aller Lern- und Lebensbereiche mit digitalen Medien beschreibt.

Gabi Reinmann und auch Jochen Robes bloggen dazu. Interessant und weiterführend ist der Verweis auf einen älteren Artikel von ihr, der die Diskussion zum eigentlichen „Sinn“ des Begriffes „Digitalisierung“ im Kontext von Hochschule und Lehre aufgreift. Gabi Reinmann kritisiert die Verwendung des Begriffes „Digitalisierung“ („Die elektronische Speicherung und Verarbeitung analoger Größen aber kann ja nun nicht der Zweck des Einsatzes digitaler Medien in der Hochschule – speziell in der Hochschullehre (vielleicht in der Buchhaltung) – sein!“) während Beat Döbeli Honegger in seinem Kommentar die Verwendung des Begriffes unterstreicht. Leider gibt es auf diesen Kommentar keine Antwort von der Autorin.

Ich persönlich habe beide Begriffe (unbewusst) ebenso in unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen verwendet. Während E-Learning aus meiner Sicht eher das Lernen und Lehren mit und in digitalen Medien als formalen, non-formalen oder informellen Prozess beschreibt (z. B. Online Kurse, informelles Lernen in Online Communities, klassische Lernprogramme, ect.), meint Digitalisierung in meinem Sprachgebrauch die ganzheitliche Veränderung von Bildung, Gesellschaft, Kultur. Digitalisierung ist damit ein „grösserer“/umfassenderer Begriff als E-Learning. Beispielsweise fällt die Online-Prüfungsverwaltung meiner Meinung nach nicht unter E-Learning, ist wohl aber ein Phänomen der Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsprozesse.

Meine Arbeit bei UNITAR würde ich ganz klar als Konzeption und Gestaltung von E-Learning-Szenarien bezeichnen. Wir haben Online-Kurse entwickelt, die in Entwicklungsländern zur Aus- und Weiterbildung von Multiplikatoren dienen sollten.

Konträr dazu meine Arbeit an der TU Dresden: In der Abteilung Medienstrategien entwickelten wir MOOCs (=E-Learning) und beleuchteten deren Beitrag zur Digitalisierungsstrategie der gesamten Hochschule (Digitalisierung der Lern-, Lehr- und Forschungsprozesse).

An der PH Bern geht es nun ebenso darum, einen Beitrag zur Digitalisierung zu leisten. Dabei soll hier aber gar nicht unbedingt die Digitalisierung vorangetrieben werden, um als Hochschule wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern es geht „lediglich“ darum, dass die Hochschule ihren ganz elementaren Bildungsauftrag erfüllt. Medienkompetenz als Kulturtechnik ist bildungs-, arbeits- und lebensnotwendig, um in einer Gesellschaft, die mehr und mehr von digitalen Medien durchzogen (dominiert?) wird, handlungsfähig zu sein. Mit dem Lehrplan 21  spielt Medienkompetenz nun in der Primarschule eine wichtige Rolle. Lehrerinnen und Lehrer haben den Auftrag die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewussten, medien- und informationskompetenten Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Die PH Bern unterstützt angehende und etablierte Lehrerinnen und Lehrer dabei. Digitalisierung ist also Rahmenbedingung für ein verändertes (erweitertes) Anforderungs- und Handlungsprofil der Akteure.

Zusammenfassend heisst dies, dass beide Begriffe ihre Daseinsberechtigung haben, ich sie aber für unterschiedliche Ebenen der Lern- und Lebensprozesse mit digitalen Medien verwende.

Diesen Blogpost möchte ich mit dem einprägsamen und treffenden Zitat von Michael Kerres abschliessen: „Während das Lernen im Seminarraum immer digitaler wird, wird das Lernen im Internet immer sozialer“

Literatur:

Kerres, Michael (2016). E-Learning vs. Digitalisierung der Bildung: Neues Label oder neues Paradigma? In: Hohenstein, Andreas & Wilbers, Karl (Hrsg.) Handbuch E-Learning, Köln: Fachverlag Deutscher Wirtschaftsdienst. 61. Ergänzungslieferung, ISBN 978-3-87156-298-3

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Alles neu!

Die letzten Jahre kam dieser Blog, der aus meiner Leidenschaft – den E-Portfolios – geboren war, immer wieder ins Stocken. E-Portfolio-Arbeit ist damals, während meiner Bachelorarbeit zu meiner Leidenschaft geworden. Das Sammeln, Teilen, Strukturien von Lerninhalten, biografischen Informationen und sonstigen Daten faszinierte mich ebenso wie der Reiz des Lerntagebuches und der Reflexion. Der Gedanke, gezwungen zu sein, über die Dinge nachzudenken, Gelerntes zu reflektieren, zu notieren erschien mir spannend und vor allem lernfördernd. Dies zu beweisen nahm ich mir für die Masterarbeit (zu welcher ein zweimonatiger Forschungsaufenthalt an der Donau-Universität Krems und der HAK Krems gehörte) und letztlich für die geplante Promotion vor.

Doch was ist passiert?

Nach dem Auslaufen des TUDfolio Projektes und der Veröffentlichung des Datenreports hatte ich die Möglichkeit, die Daten im Rahmen des eScience Forschungsnetzwerkes komplett auszuwerten. Dies kam im Juli 2014 zum Abschluss, mit meinem Eintritt in die insgesamt 9-monatige Mutterschaftsauszeit. Als ich wieder anfing zu arbeiten, waren E-Portfolios längst kein Thema mehr. MOOCs waren Inhalt meines spannenden Berufsalltages. Mit den Erfahrungen aus dem SOOC und dem MOOC@TU9 waren wir „Feuer und Flamme“ für neue MOOC-Projekte.

Doch wie im Sommer 2014 wirkten auch im Sommer 2015 höhere Gewalten und es gab wieder eine dieser fruchtbaren Zwangsunterbrechungen im so linear angestrebten Lebenslauf: Wir zogen nach Genf um. Genauergesagt nach Frankreich, einige 100m vom Kernforschungszentrum CERN entfernt.

Ich bekam ein Praktikumsplatz bei UNITAR, dem United Nations Institute for Training and Research (Details aus einem privateren Blickwinkel hier), wo ich mithilfe recht klassischer Instructional Design und Gamification Ansätzen E-Learning Kurse konzipierte und umsetzte.

Nach erfolgreicher Bewerbung an der Pädagogischen Hochschule Bern und einigen bürokratischen Hürden darf ich nun im medienpädagischen/mediendidaktischen Bereich der PH Bern arbeiten.

Und damit schliesst sich der Kreis wieder: Meine Hauptaufgabe ist die Betreuung von E-Portfolio-Projekten von Lehramtsstudierenden! Die E-Portfolios werden flächendeckend eingesetzt und von jedem Lernenden und Lehrenden genutzt. Es ist möglich, diese lebenslang zu führen, mithilfe der SwissEduID für das genutzte und von SWITCH bereitgestellte System Mahara. Ende 2012, also vor ca. 3 Jahren hätte ich mir so einen Job nicht träumen lassen! Ich hatte immer die Hoffnung, die E-Portfolio-Arbeit in der Lehrerbildung an der TU Dresden zu etablieren, was mir aufgrund der recht starren Strukturen und der Grösse der Struktureinheit wohl nur schwer gelungen wäre. Nun habe ich aber das Glück, mit E-Portfolios im grossen Stil arbeiten zu können und vor allem lerne ich selbst noch viel von der praktischen Umsetzung.

Es macht einfach Spass in dem offenen Umfeld zu arbeiten, die Begeisterung für Medien und E-Portfolios zu teilen und gemeinsam zu reflektieren und voneinander zu lernen.

In Zukunft werde ich in die Gestaltung des Moduls „Medien und Informatik“ für die Volksschule (Grundschule) eingebunden, worauf ich mich wahnsinnig freue. Ich habe bereits viel über die Kinder-Roboter WeDo, BeeBot & Co gelesen und grafikbasierte Programmierumgebungen für Kinder, wie zum Beispiel Scratch, ausprobiert. Nicht zuletzt muss ich mich auch noch mehr mit der Theorie auseinandersetzen und die Metaperspektive auf Informatikdidaktik für die Grundschule/Volksschule einnehmen.

Wie man vielleicht an meinem Schreibstil merkt, bin ich sehr euphorisch und freue mich auf die nächste Zeit.

 

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Volle Kraft voraus: Neustart mit E-Portfolio Workshop am 18.06.

Im letzten dreiviertel Jahr war es etwas ruhig rundum TUDfolio geworden, was nicht nur am Auslaufen des Projektes lag. Ich hatte eine „kleine“ Berufspause und starte seit Anfang Mai nun wieder „halb“ durch.

Das Thema E-Portfolio ist natürlich nach-wie-vor eine Herzensangelegenheit, auch wenn es mich derzeit nicht so viel im eng auf 20 Stunden begrenzten Arbeitsalltag beschäftigt, wie ich mir das wünschen würde. Umso mehr freue ich mich, dass ich am 18.06. wieder mal einen E-Portfolio Workshop machen darf. Zielgruppe sind Lehrende an sächsischen Hochschulen, denen ich gern einen praxisorientierten Einblick in die E-Portfolioarbeit und die verschiedenen Einsatzszenarien geben möchte. Wir möchten gemeinsam ein exemplarisches Lernszenario konzipieren und fiktive Anwendungen diskutieren.

Interesse? Gern könnt Ihr Euch noch hier anmelden.

Damit sei auch die Zeit des Schweigens gebrochen und ich werde versuchen, hin und wieder Einblicke und Ausblicke aus dem Arbeits- und Forschungsalltag am Medienzentrum und der Nachwuchsarbeit zu geben.

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World Café auf dem eScience Netzwerktag: Perspektiven und Diskussionen rund um „Digitale Bildung“

Am 18.12. fand in den Räumlichekeiten der DIU in Dresden der eScience Netzwerktag statt. Nach der Keynote kamen die Teilnehmenden zur lockeren Worldcafé-Diskussionsrunde zusammen.

Einer der Themen rankte sich um Fragen der digitalen Bildung. Im Vorfeld der Diskussion trugen die Teilnehmenden Fragen und Impulse zur Entwicklung und den Auswirkungen des medial unterstützten Lehrens und Lernens zusammen. Diese seien hier kurz zusammengefasst:

  • Wie integriere ich E-Learning/digitaler Bildung in den Vorlesungsalltag?
  • Wird „inverted Learning“ an sächsischen Hochschulen praktiziert? Wenn ja, wie?
  • Welche Chancen und Risiken entstehen durch das „Sharing“ von Inhalten? Ist es denkbar und sinnvoll Inhalte für „alle“ bereitzustellen/zu veröffentlichen? Welche Barrieren sind zu überwinden?
  • Wie kann die Ausbildung und Weiterbildung von Führungskräften mit OER (bereits während der Schulzeit, während des Studiums, im Job) funktionieren? Welche Probleme sind dabei wie zu bewältigen?
  • Wie können mit digitaler Bildung Brücken zwischen der schulischen und universitären Ausbildung geschaffen werden? Welche Unterstützungspotenziale lassen sich auf beiden Seiten nutzen? (Stichwort: Studienvorbereitung/voruniversitäre Bildung)
  • Gibt es Vermarktungskonzepte von MOOCs in der Hochschullandschaft?

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Der Call ist raus: Vorfreude auf den Austausch auf dem #JFMH15

Fast ist Weihnachten und das Junge Forum 2014 nun schon ein halbes Jahr alt. Während die Arbeiten an der Veröffentlichung zum #JFMH14 auf Hochtouren laufen, ist bereits der Aufruf zum Einreichen von Beiträgen für 2015 online gegangen. Die Uni Düsseldorf wird in kommenden Jahr NachwuchswissenschaftlerInnen und PraktikerInnen begrüßen, um gemeinsam Themen rund um das Tagungsmotto: „Bildung gemeinsam verändern – (Neue?) Impulse aus Forschung und Praxis“ zu diskutieren. Eingeladen sind Studierende, WissenschaftlerInnen sowie praktisch Tätige aus den Bereichen Mediendiaktik, Medienpädagogik, Hochschulentwicklung und angrenzenden Bildungswissenschaften.

Als Gastgeberin des letzten Forums danke ich an dieser Stelle schon einmal David Meinhard und dem Standort Düsseldorf, der uns – nämlich den Nachwuchsgruppen der ausrichtenden Fachgeselllschaften  GMW, DGHD,DGfE und GI – Fachgruppe E-Learning – eine Plattform für interdisziplinären, kritischen und befruchtenden Austausch bieten.

Mit verschiedenen Ideen und Ansätzen für eine Einreichung gehe ich in die Feiertage und wünsche allen ein besinnliches Weihnachtsfest!

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#JFMH14 – Workshop zum Thema „Wie manage ich meinen Publikationsindex“

Letztes Wochenende fand ein wirklich schönes, spannendes, lustiges, anspruchsvolles und sehr lehrreiches Junges Forum für Medien und Hochschulentwicklung in Dresden statt. derzeit bin ich noch beim Nachbereiten, was Rückblicke, Fotos und Berichtesammlungen angeht, müsst Ihr Euch leider noch gedulden. Was mir aber am Herzen liegt, schnell zu verbloggen, ist der Workshop von Prof. Baumgartner zum Thema Publikationsindices.

Begonnen hat der Workshop mit einer kleinen Gruppensession, in der untereinander die folgenden Fragen erörtert werden sollten:

fragen

aus der Eröffnungsprezi von Prof. Baumgartner: http://prezi.com/wiojam8ayzy9/publikationsindizes/

In meiner Gruppe befanden sich so verschiedene und für sich interessante Leute, dass wir eigentlich noch viel länger Erfahrungen, Einsichten, Aussichten und Entwicklungen hätten austauschen können.

Da bereits im Workshop andiskutiert wurde, dass Prof. Baumgartner die Ergebnisse veröffentlicht, ich aber selbst, dann doch keine persönlichen Rechte verletzen möchte, gebe ich keine Namen an, sondern nur Titel/Position.

Zwei Mitarbeiter verschiedener pädagogischer Hochschulen in Österreich gaben an, dass Publikationen für seinen Arbeitsbereich nicht so wichtig sind, da sie eher im operativen Bereich tätig sind. Einer der beiden gibt an, an einer privaten pädagogischen Hochschule zu arbeiten und dort eher mit Verwaltungsanlegenheiten betraut zu sein. Zunehmend werden die Mitarbeiter der Hochschule aber vom Rektorat angehalten zu publizieren, wenn man dies aber nicht tut, hat dies keine Auswirkungen. Beide bezeichnen das Publizieren für sich eher als Kür als als Pflicht. In seiner Fachdisziplin gewinnt das Publizieren an Bedeutung, was sich mit der zunehmenden Verschmelzung von pädagogischen Hochschulen und Universitäten in Österreich erklären lässt. Die Publikationskultur befindet sich also im Umbruch und die Bedeutung nimmt zu.

Das nächste Gruppenmitglied ist eine Juniorprofessorin für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung, die angibt dass für sie das Publizieren eher Pflicht als Kür ist, denn sie muss aufgrund ihrer Position möglichst aktiv Publizieren. Sie gibt allerdings an, dass in den Erziehungswissenschaften die Indices wenig Relevanz haben, zumindest bisher. Es lässt sich aber auch Beobachten, dass die Bedeutung zunimmt, insbesondere dann wenn in Berufungskommissionen auch Psychologen sitzen. An ihrer Uni ist die Relevanz dieser Zahlen stark von Fach abhängig, zur wissenschaftlichen Exzellenz gehört offenbar mehr als nur das Publizieren in A-Journals.

Der vierte im Bunde hat eine ordentliche Professur an einer Universität in Deutschland und leitet die zentrale Einrichtung für E-Learning- und Multimedia-Services. Für ihn sind Publikationen insofern wichtig, da sie als Quelle von Informationen nach außen dienen und die Sichtbarkeit der Forschungseinrichtung damit erhöhen. Insbesondere Informationen über Projekte und Innovationen müssen beispielsweise auf Konferenzen publiziert werden, um die Außenwirksamkeit mit Blick auf Drittmittelfinanzierungen zu gewährleisten. In seiner Position forciert er schon, dass wissenschaftliche Mitarbeiter in reviewten Journals und Proceedings publizieren. Ganz besonders wichtig ist ihm außerdem die Zugänglichkeit, weshalb Open-Access-Publikationen von großer Bedeutung sind. Aus Erfahrungen berichtet er, dass die Bildungswissenschaften erst relativ spät auf die Form der Open-Access-Publikation gekommen sind, bzw. dass das Veröffentlichen im Netz erst spät zur gängigen Praxis geworden ist. Die Psychologen bspw. veröffentlichen schon seit längerem Online.

Eine Promovendin berichtet ihre Sicht und berichtet, dass sie aufgrund der bisher noch in den Kinderschuhen steckenden Promotion bisher noch wenig Kontakt mit Publikationspraktiken hatte. Sie selbst hat auch noch keine Publikationen, schätzt aber den Stellenwert sehr hoch ein.

Ich schließe den Reigen der Gruppenarbeit und berichte ebenfalls kurz: Ich stehe mit meiner Promotion inhaltlich zwar noch sehr am Anfang, aber durch die wissenschaftliche Arbeit, in die ich nun bereits seit einem Jahr involviert bin, reift diese auch inhaltlich immer weiter. Ich habe daher auch schon einige Publikationen, sehe diese aber eher als „wenig wertig“ an. Vielfach habe ich auf Konferenzen unseren gemeinsamen Open Online Course mit dem Projektteam präsentiert und bin daher als Mitautorin in einigen Proceedings zu finden. Stolz bin ich dann schon irgendwie mehr auf Buchbeiträge oder auf meine Masterarbeit – schließlich bin ich da Alleinautorin. Den Stellenwert im Rahmen meiner Fachdisziplin einzuordnen fällt mir schwer. Da der ganze Bereich educational technology sehr interdisziplinär angelegt ist, kann es sein, dass die Psychologen den Stellenwert des Publizierens in A-Journals deutlich höher einschätzen, als diejenigen, die Wert auf Praxisinnovationen legen. Ich denke, dass in meinem engeren Arbeitsbereich das Publizieren sehr wichtig ist, aber zur wissenschaftlichen Exzellenz ganz klar auch die Fähigkeit zur Einwerbung von Drittmitteln gehört.

Nach dieser wirklich interessanten Gespärchsrunde, referiert Prof. Baumgartner kurz zum Thema Indices. Die Prezi ist „public and reusable“ und damit so frei verfügbar, dass ich sie hier einbinden darf:

Hier geht’s zur Prezi

 

Der JIP (=Journal Impact Factor) ist der erste Index, der vorgestellt wird.

Was gibt der JIP an? Er gibt die Anzahl der Zitationen eines Artikels in einer Zeitschrift in einem andereren wissenschaftlichen Artikel pro Jahr an. Das heißt: (Zahl der Zitate im Jahr x) geteilt durch (Zahl der publizierten Artikel im Jahre ((x-1)+(x-2)))

Prof. Baumgartner weist dabei darauf hin, dass dieser Index „schief“ ist, denn er misst nur, ob man zitiert wird, aber nicht in welchem Kontext (kann auch Kritik oder Negativ-Beispiel sein). Außerdem zählt der JIP nur den Erst-Autor. Für uns im deutschsprachigen Raum kommt außerdem die Schwierigkeit hinzu, dass natürlich die englischsprachige Publikationen hier stark im Vorteil sind, da sie natürlich von einer größeren Anzahl an Personen zitiert werden können. Diese Englisch-Bias trifft aber nicht nur auf den JIP zu, sondern auf alle Indices. Vergleicht man die Rolle der Fachdisziplinen, ist festzustellen, dass die Naturwissenschaften hier deutlich mehr Zeitschriften mit einem hohen JIP aufweisen, als beispielsweise die Bildungswissenschaften. Für uns ist es außerdem schwierig über die Fachgebiete hinweg zu vergleichen, zum Beispiel wenn Fragen rings ums eLearning in Wirtschaftswissenschaften und bei den Psychologen eine Rolle spielen. Ein weiterer zu diskutierender Punkt ist die „Neuwertigkeit“ von Erkenntnissen. Ein Artikel kann nur dann gezählt werden, wenn er beispielsweise keine Danksagung enthält, weil diese darauf hindeuten könnte, dass der Artikel keine neuen Erkenntnisse präsentiert. Proceedings zählen gar nicht, weil sie ein „work in progress“ darstellen (hier gehen allerdings die Aussagen von prof. Baumgartner und Wikipedia auseinander – keine Gewähr). Veröffentlicht man also Erkenntnisse in Proceedings und dann noch einmal in einem Journal, gilt das dann nicht mehr als Erstveröffentlichung.

Prof. Baumgartner kritisiert, dass die Zeitschriftenverlage mit dieser Maßzahl vor allem ökonomische Interessen verfolgen.

Der H-Index hebt diese Schieflage der Aussagekraft von bibliometrischen Angaben ein wenig auf. Gezählt wird all das, was wirklich wissenschaftlich (online) publiziert wurde, wenn die folgende Form eingehalten wird:

  • Artikel liegt im pdf-Format vor
  • die Namen der Autoren stehen über oder unter dem Titel auf einer eigenen Zeile
  • Titel in hervorgehobener Schrift
  • Literaturverzeichnis muss als solches überschrieben sein
  • –> damit ist die Publikation über Google Scholar auch findbar (Google Scholar erkennt auch Umlaute, Akzente usw., ich habe also mit „Lißner“ kein Problem)

Was gibt der H-Index nun an? Ein H von 6 bedeutet, dass 6 Publikationen mindestens 6mal zitiert worden sind.

Auch beim h-Index ist allerdings zu kritisieren, dass vor allem Naturwissenschaften, sowie Artikel in englischer Sprache einen hat besonderen Stellenwert, das heißt eine größere Zitiercommunity haben. Auch der H-Index berücksichtigt keine anderen wissenschaftlichen Leistungen, wie beispielsweise das Einwerben von Drittmitteln. Junge WissenschaftlerInnen werden immer ein wenig benachteiligt, weil sie aufgrund des Alters nicht mehr publizieren konnten. Aber auch sehr alte Publikationen können nicht mehr mitgezählt werden. Bei diesem bibliometrischen Index können auch Eigenzitate mitgezählt werden, was von Prof. Baumgartner aber wenig kritisch gesehen wird, da man seinen Index nur erhöhen würde, wenn man öfter als andere seine Publikationen zitiert. Einen wichtigen Hinweis finde ich außerdem noch, dass man beim Wechsel des Namens (in der Regel nach familiären Veränderungen wie Hochzeit oder Scheidung) die beiden Accounts miteinander kombinieren kann und somit keine Publikationen „verloren“ gehen.

Nach der Pause widmen wir uns der Software „Publish or Perish“. Mit diesem Programm kann man seinen eigenen H-Index herausfinden und auch Publikationen zu Themen suchen und nach „Wertigkeit“ sortieren. („Wertig“ bezieht sich einzig und allein auf die Zahl der Zitationen, ob diese Publikation dann auch qualitativ die „wertigste“ ist, wird nicht gemessen!)

Dazu muss aber vorher das Google Scholar Profil angelegt und gepflegt werden. Wie das geht, beschreibt Prof. Baumgartner hier. Mich hat wirklich erstaunt, wie gut Google schon meine Publikationen kennt. Bis auf eine internationale Publikation in einem Proceeding konnte die Suchmaschine bereits alles finden.

Hier ist mein Google Scholar Profil.

Suche in nach meinem Namen in der Publish-or-Perish-Software, muss ich erstmal alle Publikationen „aushaken“, die nicht von mir sind. Dann ergibt sich der h-Index von 1. (besser als Null oder?😉 ) So sieht meine Liste dort aus:

p-or-p

 

 

Ich würde eigentlich gern noch viel mehr darüber wissen, was man noch so mit der Software machen kann und welchen Stellenwert diese Zahl nun wirklich für Beruf und Wissenschaftliche Laufbahn haben. Ich denke aber, dass es sicher auch auf Prof. Baumgartners Blog dazu noch einige Informationen geben wird.

Ich nehme für mich auf jeden Fall mit, dass zum Publizieren noch mehr gehört, als nur einen Artikel zu schreiben. Er muss auch in der richtigen Form online verfügbar sein und der Fachcommunity bekannt (Rolle sozialer Medien?), sodass mein h-Index vielleicht schon in einigen Jahren die 2 oder 3 erreichen kann:-)

Falls ich hier irgendetwas falsch beschrieben habe, merkt das unbedingt in den Kommentaren an. Wenn Ihr Meinungen, Hinweise oder Ergänzungen habt, immer her damit:-)

 

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