Klicken wir uns das Gehirn weg?

Die Diskussion über Spitzer’s Buch schlagen doch größere Wellen als ich das zunähst vermutet hatte. Zuerst kamen die Empörungen auf Facebook, G+ und Twitter, dann gab es Meinungen in der Blogosphäre – unterlegt mit „echten“ Argumenten und heftiger Kritik an der wissenschaftlichen Redlichkeit Spitzers Veröffentlichung. Jetzt ist der Diskurs im Fernsehen angekommen. Es scheint also ein echtes Interesse zu geben, nicht nur unter Medien-„Päpsten“, sondern auch unter den Eltern. Kein Wunder: Spitzer’s Buch ist immerhin aktuell Platz 3 der Sachbuchbestsellerliste (Quelle).

Ich hatte darüber ja bereits schon geschrieben, damals war ich ziemlich geschockt, wie man so einen Mist behaupten kann! (Siehe hier) Nachdem ich die ganzen Diskussionen verfolgt habe, möchte ich aber noch einige Sachen ein wenig relativieren oder doch zumindest besser erklären. Wer sich vorher ein Bild über die Lage machen will: Hier einige Links:

Leider ist der Jauch-Beitrag nicht mehr online, denn in diesem kam doch noch einiges mehr ans Licht, was in den bisherigen Diskussionen meiner Meinung nach zu wenig Erwähnung fand: Spitzer spricht sich in seinem Buch gegen Computerspiele für Kinder und Jugendliche aus. In der Sendung wurde daher über World of Warcraft und Counter Strike diskutiert. Hier möchte ich für mich ganz klar festhalten, dass sich meine Empörung gegen Spitzer nie gegen seine Computerspiel-Thesen richteten. Denn ich bin ebenfalls der Meinung, dass Jugendliche lieber Fußballspielen sollten, statt sich mit Ballerspielen zu beschäftigen. Und ich stimme ihm auch zu, wenn er sagt, dass Computerspiele süchtig machen und daher weniger Zeit für die Schule und andere Aktivitäten bleibt. Ich würde sagar soweit gehen, ihm beizupflichten, dass die Jugendlichen erst Computerspielten und dann dick wurden. (Jauch stellte die Frage nach der Henne und dem Ei: Waren die Kinder erst zu dick und sind dann an den Computer gegangen oder sind sie dick geworden, weil sie Computer spielen?)

Ich möchte da wirklich differenzieren: Natürlich schadet es keinem Kind mal etwas im KOpf auszurechnen oder mit Karte und Kompass durch den Wald zu laufen – so etwas sollten Kinder tun! Aber warum sollten sie nicht auch mal auf Facebook surfen oder bei Wikipedia lesen oder auch mal ein (Serious) Game machen. Die Frage ist doch immer die Dosis. Und da fand ich die Aussagen der beiden „Medienprofis“ ziemlich cool, die an die Eltern appelierten „Kümmert euch um eure Kinder“. Und dieses kümmern beinhaltet meiner Meinung nach auch, die Kinder auf die Online-Welt vorzubereiten – logisch so früh wie möglich! Es gibt Gefahren. Ich bin selbst hin und wieder in fiese Online-Fallen getappt: „180 SMS vom Internet verschicken – alles kostenlos….(im Kleingedruckten:) im ersten Monat“. Was habe ich geheult als die Rechnung per E-Mail über 85 € für das Jahresabo kam. Aber es ist doch wichtig, sich mit diesen Gefahren auseinanderzusetzen. Woher soll denn ein Erwachsener mit 18 Jahren wissen, dass es kostenpflichtige online-SMS-Abos gibt, wenn er noch nie einen Browser geöffnet hat?? Und überhaupt, wie soll denn ein Jugendlicher einen Job finden, wenn er nicht mal ein Virus-Programm oder ein neues Java-Update installieren kann.  Btw, er ist ja noch nicht mal in der Lage sich online in Jobbörsen umzuschauen, geschweigedenn eine Bewerbung zu verfassen. Stichwort: Zehn-Finger-Suchsystem 😉

Ich denke an dieser Debatte kann man sehr gut sehe wie viel es ausmacht reflektiert, differenziert und kontextbezogen zu argumentieren.

Ein ziemlich starker bitterer Beigeschmack zu Spitzer bleibt aber irgendwie immer, weil es in meinen Kopf nicht ‚reingeht, wie man ein solches Buch schreiben kann und die Eltern damit derart verunsichern kann. Irgendwie ist es dann doch alles ziemlicher murks den er schreibt – bis auf die (Baller-)Computerspiele 😉

Liebe Grüße,

eure Andrea

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Über Andrea Gumpert

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