Podiumsdiskussion: „Digitale Medien: Beiträge zur Exzellenz – oder zur digitalen Demenz?“

Diese Woche verbrachte ich bei der GMW in Wien, der Jahrestagung für Medien in der Wissenschaft. Da ich das genannte Thema es zum einen mal reflektieren will und es zum anderen ja auch hier zu dem Blog passt, weil es ja um Hochschulpolitik und damit auch um Bildungspolitik geht, werde ich mal einige Takte dazu verfassen.

Die Podiumsdiskussion wurde moderiert von Prof. Köhler und vertreten waren Professoren aus Wien, aus der Schweiz und aus Baden-Württemberg. Der GMW-Vorstandschef Ulf Ehlers trug ebenso seinen Teil zur Diskussion bei. Ich sollte auf dem Podium die Studierendensicht darstellen und meine Erfahrungen über die „Kührung“ meiner Uni zur Exzellenz-Uni darlegen. Ich war doch ziemlich nervös, da ich auch noch zum ersten Statement verdonnert war.

Zum Inhalt:

Die ersten Fragen zielten auf das Thema Exzellenz-Uni. Ich wurde nach meinen Erfahrungen gefragt und konnte mit gutem Gewissen angeben, dass sich nichts geändert hat. Aber was bedeutet das eigentlich für die Fakultäten und für die Unis die nicht „exzellent“ sind. Geht es nicht viel mehr um die Qualität der Vielen als um die Exzellenz der Wenigen? Interessant waren auch die Wahrnehmungen der Österreicher und Schweizer, die keine Exzellenz-Initiative haben. Es wird zum Teil wirklich als Paradox wahrgenommen: Man kämpft mit einer zunehmenden  Studierendenzahl durch die Aussetzung des Wehrdienstes und die doppelten Jahrgänge und dann beschränkt man die finanziellen Ressourcen auf einige Wenige (überspitzt dargestellt). Das ist ja so als würde man zunehmender Flüchtiingszahl in der Türkei immer weniger Menschen immer mehr Essen geben. (Hier sind natürlich keine Leistungsfaktoren berücksichtigt!) Es ist sehr übertrieben dargestellt, aber dennoch fand ich es sehr spannend das zu diskutieren.

Außerdem  wurde diskutiert, wie viel man auf Spitzer geben sollte und welchen Beitrag digitale Medien zu einer exzellenten Bildung leisten können. Von Zeit zu Zeit war es etwas schwierig die beiden Themen miteinander zu verbinden, aber Prof. Köhler hat das eigentlich recht elegant gelöst. Es kristallisierte sich schnell ein Konsens über Spitzer heraus wobei hin und wieder auch positive Aspekte seiner Ansicht (nicht seines Buches, denn man sollte abwägen in welchem Format und mit welchen Worten seine Botschaften vermittelt wurden – das so zu tun, hielten alle für unangemessen: Sticht Verunsicherung der Eltern) herausgestellt wurden. So warf ich ein, dass es meiner Meinung nach besser gewesen wäre, wenn ich keinen Grafik-Rechner in der 7. Klasse bekommen hätte, da ich nicht gerade ein Kopfrechengenie geworden bin. Ich denke an dieser Stelle hätte mir ein bißchen mehr Papier, Stift und Stühlerücken besser getan. Einige Mathe-Didaktiker berichteten aber direkt von Studien aus denen hervorging, dass sich das Rechnen mit dem Taschenrechner nicht nachteilig auf die Grundfähigkeiten auswirkt. Das glaube ich sehr gern, denn es ist ja immer alles eine Frage der Didaktik und ich glaube auch nicht, dass Kinder, die bereits mit Apps in der Schule lernen, weniger gut handschriftliche Texte verfassen können.

Ein weiteres Thema war die Frage nach der Hochschule: Brauchen wir noch Gebäude mit Tischen und Stühlen, wenn wir einfach alles online machen. Wir haben auf der Tagung hervorragende Beispiele für Video-Lehre, auch mit interaktiven Elementen und Video-Annotation gesehen. Also warum müssen die Studierenden noch in die Uni, wenn Sie die Inhalte und auch Kompetenzen auch zeit- und ortsunabhängig online beziehen und sich aneignen können.

Also wie ihr seht, war es nicht einfach beide Themenschwerpunkte „Exzellenz“ und „Digitale Demenz“ unter einen Hut zu bringen, da sie an sich schon viel Diskussionsstoff bieten. Zusammenfassend war ein Konsens zu erkennen:  Wir brauchen die Hochschulen (und die Schulen), denn auf eine Präsenzlehre zu verzichten, gehört nicht zu einer exzellenten Hochschule. Ganzheitlichkeit, das heißt eine Bildung auf allen Ebenen/Kompetenzstufen lässt sich nur durch eine ausgewogene Mischung aus Präsenz-Lehre und E-Learning (Hinblick auf Medienkompetenz) erreichen. Und ob die Lehre qualitativ hochwertig ist (ich mag den Begriff „Exzellenz“ nicht besonders), hängt nicht von Medium, sondern vom Einsatz des Mediums UND noch einer Reihe anderer Faktoren ab.

So bin ich froh, dass ich das digitale Medium nutzen konnte, um die Kontakte nach Krems herzustellen – um dann ganz undigital mit den Fachleuten und Experten zu kommunizieren. Kein Skype-Meeting kann eine gemeinsame Kaffee-Pause oder den Erfahrungsaustausch beim „Heurigen“ ersetzen.

War eine sehr interessante Erfahrung mal auf dem Podium vor vielen Leuten zu sprechen – ganz analog 😉

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Über Andrea Gumpert

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