Reflexion und Kommentar zum Funkkolleg Medien: Folge (1) Leben im Netz – Das Internet als neues Leitmedium?

Heute morgen bin ich auf die HR-Reihe Funkkolleg gestoßen, die immer wieder neue Themen als Podcast anbieten (Mensch und Klima, Religion und Gesellschaft, usw.). Zufälligerweise läuft ab 03.11. die Reihe Funkkolleg Medien.
Das Format finde ich zwar ganz OK, weil man Expertenmeinungen mal nicht nur liest, sondern auch mal das gesprochene Wort von ihnen selbst hört. Allerdings muss ich sagen, dass ich gern auch ein Gesicht zu den Menschen hätte. Ich finde es bei Videos leichter geistig dabeizubleiben und denke auch, dass Videos als Unterrichtsmedium besser geeignet sind als Podcasts. Vielleicht denkt der HR ja mal über ein Bewegtbild-Format nach.

Ich hatte auf Facebook gepostet, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Podcasts im Unterricht einzusetzen. Nach dem Anhören denke ich, dass es gerade Berufsschüler überfordern würde. Aber in Ausschnitten oder zur Informationssammlung kann man es gut benutzen!

Zum Inhalt: Ich habe mal einige Punkte herausgenommen, die ich „diskutierenswert“ fand. (ist nicht wörtlich zitiert, zur Transkription war ich heute früh noch nicht in der Lage 😉 )

  • #00:55:00: Wer den Menschen den Zugang zum Internet sperrt, schließt ihn von der gesellschaftlichen Teilhabe aus.

Lieber Herr Spitzer, wie sollen sich Jugendliche nun gesellschaftlich beteiligen, wenn ihnen die Möglichkeiten zur Kommunikation verboten werden? „Bis 18 kein Internet“ –> dann können wir uns politische Bildung bis dahin ja auch sparen?

  • #03:15:00: Ist lesen auf dem Computer der gleiche wie lesen eines Buches? Wird soziale Physik durch Computer gemanagt oder nicht?

Diese Aussage kann ich irgendwie nicht nachvollziehen (sooft ich sie mir auch anhöre). Er stellt hier Vergleiche zwischen Buch und Internet auf, was für mich in diesem Zusammenhang Äpfel und Birnen sind. Es geht doch nciht darum, ob wir in 20 Jahren immernoch Zeitung lesen oder alle Informationen aus dem Internet bekommen. Als Infomationslieferant eignen sich beide Formate (ich sage mal bewusst nicht „Medien“). Vielmehr ist doch die Frage zu diskutieren, inwiefern das Internet zur politischen  Partizipation dienen kann, wie es als Sprachrohr für Minderheiten, Unterdrückten, „Nicht-Linientreuen“  genutzt wird und wie es die Lebenswelt und Kultur (Lernkultur und letztliche politische Kultur) verändert. Hier geht es doch nicht um das Konsumieren, sondern um das Beteiligen, um das Kommunizieren, um das Anklagen, Öffnen, …

  • #06.39:00: Menschen werden kühler durch Internet, Freundschaften verlieren an Wert

Hier kann ich zum einen zustimmen: Nicht jeder Facebook-Freund ist auch ein „Freund“/eine „Freundin“ im eigentlichen Sinne, keine Frage. Das würde wohl niemand diskutieren. Aber ich finde, dass die Aussage etwas problematisch ist, zu behaupten, die Menschen werden „kühler“. Man ist in der Realität dennoch noch Mensch, man ist ja auch „offline sozialisiert“, genauso wie man natürlich auch „online sozialisiert“ ist. Aber alle zwischenmenschlichen Fragen spielen doch immernoch eine Rolle. Sei das nicht der Fall (zum Beispiel bei Jugendlichen, die der Online-Game-Sucht verfallen sind und deren Verhalten wirklich krankhaft ist), dann muss selbstverständlich „offline“ geholfen werden – keine Frage. Aber ich finde es problematisch zu sagen, dass alle Jugendlichen bzw. die nachwachsende Generation wegen Facebook zu gefühlskalten, emotionslosen Nerds verkommt…

  • #09:20:00: Zitat von John Perry Barlow: Jeder kann partizipieren, Meinung äußern, egal welcher Herkunft, Rasse ohne Angst im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen

Gäbe es einen WordPress-Like-Button, stünde der hier. Schönes Zitat. Bemerkenswert dabei: Es ist 15 Jahre alt!

  • #16:30:00: Personen würden sich nie der Kontrolle/Zensur des Staates aussetzen und setzen trotzdem intimste, privateste Dinge ins Internet; Schutz der Privatsphäre wird aufgegeben

Hier wird, glaube ich, aus den Augen verloren, dass jeder selbst entscheidet, was „privat“ ist. Das heißt, ich (falls ich mündig, aufgeklärt und medienkompetent bin) entscheide selbst, was die Welt sehen darf. Während die Stasi (beispielweise) diese Entscheidung für mich traf.

  • #18:50:00: Digital Natives gehen mit dem Ende der Privatheit anders um

Stimmt, und falls sie zu mündigen, verantwortungsbewussten, aufgeklärten und medienkompetenten Bürgern erzogen/gebildet werden, tun sie dies auch reflektiert und vernünftig. Das funktioniert natürlich nur, wenn diejenigen, die die Aufgabe zur Erziehung/Bildung haben, über diese Kompetenzen auch selbst verfügen.

  • #20:07:00: Lässigkeit bei dem Umgang mit Daten, Abgabe der Freiheitsrechte/der Autonomie, an allem ist die Konsum-, Werbungs-, Börsenmaschinerie schuld

… ohne Worte…, naja obwohl: Ich möchte selbstverständlich hervorheben, dass eine Sensibilisierung der nachwachsenden Generation für Gefahren die von dieser Maschinierie ausgehen kann (oder zum mindest die Thematisierung der Mechanismen), Aufgabe der Erzieher/Bildner ist!

  • #21:40:00: Berechnet von Maschinen, deren Algorithmen wir nicht verstehen

Ich selbst finde es allerdings auch erschreckend. dass Facebook weiß, wen ich kenne, ohne das ich Facebook gesagt habe, wer ich bin! Ich verstehe die Algorithmen von Facebook nicht, was mich verunsichert. Ich muss mir aber auch selbst für mich darüber klar werden, wie ich damit umgehe. Wenn ich für mich entscheide, dass es in Ordnung ist, dass Dozenten oder auch Schüler oder evtl. mal mein Chef sehen kann (wenn diejenigen meine „Freunde“ sind), dass ich Privatmensch bin und das ich auch mal im Urlaub bin oder mal auf Reisen war, dann ist das für mich OK. Wenn mich jemand nicht einstellt, weil es mit meinem Facebook-Profil unzufrieden ist, bin ich froh, denn dann hätte ich mich in dem Team wohl ohnehin nicht wohl gefühlt. (Vorausgesetzt, das Facebook-Profil bildet auch meine wirkliche Persönlichkeit und nicht irgendeine Rolle ab.)

Wichtig: Ich möchte noch hervorheben, dass es a) sehr wichtig ist, sich Gedanken über die Dinge zu machen, die man ins Netz stellt und b) Facebook-Profile am besten „unsichtbar“ geschaltet werden, damit ich selbst entscheiden kann, wer mich kennenlernen darf. So ist es in der realen Welt ja schließlich auch!

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Über Andrea Gumpert

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