Überzeugt?

Wie ja bereits angekündigt, fand gestern die Sitzung zu „Computerspiele und politische Bildung“ statt. Ich hatte in meinem letzten Eintrag bereits darüber geschrieben und meine Skepsis geäußert. Ein kurzes Fazit vorweg – bevor ich zu den Inhalten komme:

Das Referat war super. In einer wirklich anschaulichen, unaufdringlichen, humorvollen  und auch irgendwie sachlichen Art und Weise haben die beiden Referenten uns das Thema nahegebracht. Und trotzdem: Vom Wert eines Computerspiels zur politischen Bildung bin ich nicht überzeugt – zumindest was die Spiele angeht, die Spiele sein sollen. Aber ich sehe ein unglaublichees Potential in (guten – logisch) Serious Games. Meine Idee ist, dass man so eine Art virtuelle Lern- und Spielumgebung für Lernfelder schaffen könnte. Man bewegt sich als Avatar in beruflichen Handlungssituationen und wird mit verschiedensten Herausfoderungen konfrontiert. Kompetenzorientiert und interdisziplinär. Das fände ich eine coole Sache. Das wäre auch optimal für Turnusunterricht, denn auch zwischen den Schulphasen könnten die  Schülerinnen und Schüler in der virtuellen Welt lernen und mit anderen in Kontakt bleiben.
So, nun noch zu den Inhalten, wobei ich das kurz halten möchte, denn es gab den Einwand, dass das Lesen der Blog-Posts zu zeitaufwändig ist, was ich gut verstehen kann (betrifft ja erst recht das Schreiben):
Das Spielen am Computer übertrifft den Fernseher im Medienkonsum der Jugendlichen: durchschnittlich werden 72 min pro Tag am Computer verbracht. (Mädchen eher 50 min, Jungen über 90 min). Das finde ich eigentlich weder beeindruckend noch beängstigend. Im Gegenteil, ich denke, dass das nur förderlich für eine medienkompetente Generation sein kann. Es wird nicht mehr lang dauern, bis Schule und Ausbildung komplett mit digitalen Medien durchdrungen sein werden und dann müssen die Schülerinnen und Schüler sogar an den Rechner. Ich finde es außerdem besser, wenn die Jugendlichen interaktiv arbeiten und selbst etwas tun, anstatt nur Inhalte aus Funk und Fernsehen aufzunehmen. Mit dem Computer können die Schülerinnen und Schüler selbst wählen, zusammenstellen, erschaffen, konstruieren – nicht nur passiv zuhören.
Zu den einzelnen Spiel-Genre möchte ich jetzt eigentlich nichts weiter schreiben. Die Diskussion über Zusammenhänge zwischen Amokläufen und gewalttätigen Computerspielen haben wir schon im Seminar (gott-sei-dank) ausgeklammert. Für mich ist vor allem deutlich geworden, dass ich mich nicht besonders gut auskenne. Ich kann eigentlich nur zu einem einzigen Spiel etwas sagen und das ist Battle Field: Mir sind Menschen bekannt, die im „echten Leben“ hochintelligente, nahezu rund-um-die-Uhr arbeitende Teilchenphysiker sind und dieses Spiel zum Abschalten und Entspannen spielen und ganz sicher keine Aggressionen dadurch auf- oder abbauen. Also hier sollte man einzelfallabhängig argumentieren und nicht alles Spieler unter Generalverdacht stellen.
Nun zu den Serious Games: Wie ich ja schon oben beschrieben habe, ist spielerisches Lernen immer eine gute Sache, gerade wenn es um das Simulieren von praktischen/realen Situationen geht. Das Fehler-Machen ist so wichtig beim Lernen und das virtuell zu erlauben, ohne wirtschaftliche oder gar gefährliche Konsequenzen fürchten zu müssen, ist doch eine super Sache. Z. B. das Backen eines Brotes ohne Hefe: Der Schüler/die Schülerin lernt die Funktion der Hefe im Backprozess ohne, dass er/sie eine ganze Teigladung wegwerfen muss. Aber auch Sozial-, Methoden- und Medienkompetenz oder Selbstwirksamkeitsprozesse können so simuliert und geschult werden.
Die Spiele, die vorgestellt wurden, waren von unterschiedlicher Qualität.
Hier die „guten“:
  • Food Force
  • Power of politics
  • Daedalic
Eine Frage, die mich noch besonders aufhorchen lies: Sind Serious Games = E-Learning? Spannende Frage, eigentlich eine „Glaubensfrage“. Für mich ist E-Learning mehr als OPAL und WebQuests oder Lernprogramme. Ich denke, dass das Lernen in virtuellen Welten in jedem Fall E-Learning ist – warum also nicht auch ein Serious Game. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass sich einige Mediendidaktiker von den Spielen distanzieren möchten.
Viel spannender wäre doch die Frage, ob Lernen aus Spielen E-Learning ist 😉
Noch ein paar Sätze zu der abschließenden Besprechung zum Thema Bloggen und Facebook:
Ich fand es super, dass ALLE noch 20 min länger geblieben sind, um darüber zu sprechen. Das zeigt, dass es Interesse an dem Thema gibt. Allerdings glaube ich, dass Medien einfach einen unterschiedlichen Stellenwert unter uns haben. Und das viele halt sehr skeptisch sind, viel hinterfragen. Das ist in Ordnung und muss man akzeptieren. Ich appelliere trotzdem an Frau Prof. Besand, das Konzept beizubehalten und der Sache noch eine Chance im nächsten Jahrgang geben (würde mich auch freuen, wieder in der Facebook-Gruppe dabei sein zu können). Ich könnte mir gut vorstellen, dass andere Seminargruppen anders mit der ganzen Sache umgehen.
Ich hoffe, es fühlt sich niemand von mir gegängelt oder genervt. Ich werde mich mit weiteren Aufrufen zum Kommentieren und oder Beteiligen zurückhalten, denn ich verstehe es sehr gut, dass es viel Zeit kostet.
Liebe Grüße
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Über Andrea Gumpert

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