eScience lecture zum Thema MOOCs: Couch statt Hörsaal?

Am 13.11.13 war Prof. Dr. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut in Dresden zu Gast. Im Rahmen der eScience Lecture hielt er einen Vortrag über MOOCs, insbesondere über die Plattform openHPI des Hasso-Plattner-Instituts.

Hasso Plattner war Mitbegründer des SAP-Konzerns. Sein Institut forscht und lehrt im Fachbereich Informatik insbesondere zu Multicore Supercomputern.

Den Einstieg wählte Prof. Dr. Meinel über die Entwicklung des E-Learning. Das Rezipieren von Texten und Modulen sowie das Anschauen von Vorlesungsmitschnitten bezeichnet er als „altes E-Learning“. Soziale Interaktion findet darin recht selten statt und das Lernen erfolgt ausschließlich selbstgesteuert. Nur besonders disziplinierte Autodidaktiker schaffen es, am Ball zu bleiben.

MOOCs als „neues E-Learning“

Seine Lösung sind MOOCs: Die Zeitunabhängigkeit wird ein wenig aufgelöst, wodurch Verbindlichkeit hergestellt wird. Die Teilnehmenden bilden eine Gemeinschaft, eine Lerncommunity ensteht, wodurch ein „sozialer Sog“bewirkt, dass die Teilnehmenden am Ball bleiben. Die Lernenden werden „synchronisiert“, dass heißt, sie lernen gemeinsam an einem Kursthema. Die Communities der OpenHPI-MOOCs sind meist sehr groß (bis zu 11.000 Personen), was für Prof. Meinel ein wichtiges Merkmal von MOOCs ist, denn nur wenn eine kritische Masse am Kurs teilnimmt, kann eine Diskussion enstehen.

Struktur der openHPI-MOOCs

OpenHPI bietet MOOCs zu informatischen Themen an, in denen ca. 10minütige Videos, Quizzes und Hausaufgaben die Grundlage bilden. Seit dem Start im Sommer 2012 haben rund 90.000 Personen an den deutsch- und englischsprachigen Kursen teilgenommen. Die Kurslänge beträgt sechs Wochen, unterteilt in sechs thematische Einheiten. Die aufzuwendende Zeit ist ca. mit drei bis sechs Stunden veranschlagt, wobei eine Stunde davon die verpflichtende Hausaufgabe ist, die tatsächlich in 60 min am Stück bearbeitet werden muss. Die Abschlussklausur darf dann mitgeschrieben werden, wenn mehr als 50 % der Hausaufgaben gemacht wurde (mein Lieblingswort: Lernwegsteuerung). Analysen zufolge ist ca. jeder Dritte wirklich aktiv dabei (ein sehr hoher Wert für MOOCs).

Selbstverständnis der openHPI-MOOCs

Die MOOCs werden nicht als Uni-Ersatzmodell verstanden. Es bleibt notwendig, in die Vorlesungen und Übungen zu gehen und man kann zusätzlich mit dem MOOC und der MOOC-Community zu lernen. Auffallend viele der angemeldeten Teilnehmenden möchten auch ein Zertifikat machen und bleiben auch bis zum Schluss dabei.

Die Plattform wird vom HPI selbst bereitgestellt und bietet vielschichtige Funktionalitäten an: Chat, Foren, Assessment-Tools.

Was war bemerkenswert im Vortrag?

Besonders interessant fand ich Debatte um das Diskutieren und der Kommunikation in Foren. Offenbar ist aufgefallen, dass der Ton in englischsprachigen MOOCs deutlich freundlicher und offener war, als in den deutschen. Die Kritik an den Veranstaltenden wurde wohl besonders deutlich in deutschsprachigen MOOCs geäußert, wobei die Argumentation dann weniger sachlich als vielmehr frustriert und aufgebracht erfolgte.

Das Kurs-Teaching-Team engagiert sich aktiv in den Foren und unterstützt beispielsweise die Bildung von Lokal-Gruppen, die sich dann auch mal in „real life“ treffen. Außerdem gehen die Tutoren auf Fragen ein und nehmen sogar noch einmal ergänzende Videos auf, wenn die breite Masse einen Aspekt nicht verstanden hat. Das erscheint mir sehr betreuungs- und damit personalintensiv.

Geschäftsmodell für Hochschulen?

Natürlich wurde auch die Frage diskutiert, ob sich die MOOCs auch tragen und welchen Mehrwert Hochschule und Politik davon haben. Das „Sparpotenzial“ liegt offenbar in der gegenseitigen Ergänzung von Präsenzlehre und Videoproduktion, denn die Professoren zeichnen in der Regel die Vorlesungen auf, die sie ohnehin halten und lassen diese von einem professionellen Video-Team schneiden. Die Uni sieht für sich den ROI in ihrer eigenen Reputation. Die Werbung, die so ein MOOC für die Heimatinstitution macht, wirkt sich auch langfristig auf die Studierendenzahlen aus (?).

Das möchte ich allerdings in Frage stellen, denn im Vortrag wurde erwähnt, dass der klassische Teilnehmer (i. d. R. männlich) zwischen 30 und 40 Jahre alt ist, folglich selten mit der Intension teilnimmt in Zukunft noch zu studieren.

Welche Geschäftsmodelle gibt es noch? Diese Frage würde ich gern in die Community geben und freue mich auf Euren Input! Einige hat Prof. Meinel bereits erwähnt:

  • gebührenpflichtiges Zertifikat
  • Verkaufen der Nutzerdaten: der personenbezogenen Daten, des Lernerverhaltens, der Lernerfolge (Head Hunting)
  • Vermieten der Plattformen an Universitäten (iversity-Modell?)

Wie meint Ihr, könnte man MOOCs finanzieren? Tragen die sich (irgendwann) selbst? Wenn ja, wie?

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Über Andrea Gumpert

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