E-Portfolios und deutsch-afrikanische Partnerschaft

Ende Januar war ich auf eine Tagung nach Frankfurt eingeladen, veranstaltet von der „Stiftung Partnerschaft mit Afrika„. Die Veranstaltenden baten mich, einen Workshop über E-Portfolios zu machen und aufzuzeigen, welchen Potenziale diese Methode für deutsch-afrikanische Schulprojekte entfalten kann.

Ich sagte zu, vor dem Hintergrund, dass ich im letzten Jahr meinen Master im Lehramt für Sozialkunde angeschlossen habe und seit dem eigentlich nichts mehr mit politischer Bildung oder interkultureller Zusammenarbeit zu tun hatte. Also gesagt, getan: Workshop-Planung für eine völlig unbekannte Zielgruppe. Wer kommt wohl zu so einem Workshop? Schülerinnen und Schüler, Lehrende, Afrikaner, Deutsche? Medienaffinität? Vorwissen? Keine Ahnung.

Gut, dann am besten alles Wichtige auf Folien packen und zur Not improvisieren. Ich entschied mich dafür, den Einführungsteil des Workshops etwas umfangreicher zu gestalten und einen ausführlichen Input zu E-Portfolios und Fallbeispielen/ Anwendungsszenarien zu geben. So aufbereitet, dass es Schüler als auch Lehrer verstehen. Im Anschluss sollen die Teilnehmenden dann ein Schulprojekt selbst planen und das E-Portfolio als Methode sowie als Kollaborations- und Kommunikationsmedium mit einbeziehen.

Am Samstag, den 25.01. war es dann soweit: Workshop-Tag. Insgesamt drei Stunden hatten wir nun Zeit gemeinsam zu denken, zu diskutieren und auszuprobieren. Wunderbare Situation. Wie erahnt, hatten die Teilnehmenden noch nichts von E-Portfolio-Arbeit gehört. Ich versuchte möglichst praxisorientiert und konkret die Charakteristika der Methode, die Vor- und Nachteile und die Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen. Dafür nutzte ich viele E-Portfolios von Schülerinnen und Schülern der HAK Krems (an der ich ja im vorletzten Jahr Praktikum gemacht hatte) als Anschauungsbeispiele.

Lehrerinnen und Lehrer, aber auch der einzige Schüler in der Gruppe waren sehr begeistert und wollten Mahara, welches ich als E-Portfolio-System vorstellte, gern gleich selbst ausprobieren. Wer einen Laptop dabei hatte, meldete sich im Praxisteil des Workshops auf der österreichischen Instanz an und testete direkt die ersten Funktionen. Die anderen planten mit Papier und Stift das Schulprojekt, in dem sie sich an dem E-Portfolio-Kreislauf orientierten. Dabei kamen wirklich spannende, fächerübergreifende Ideen heraus. Von der Auseinandersetzung mit dem Begriff „Frieden“ bis zur Betrachtung der verschiedenen afrikanischen Kulturen unter ausgewählten Schwerpunkten: es entstanden sehr spannende Anwendungsbeispiele.

Die Folien des Workshops stehen natürlich online:

Was habe ich für mich aus den beiden Tagen zwischen Deutschland und Afrika mitgenommen?

Da ich im Vorfeld wirklich keine Vorstellung von Bildung in Afrika hatte, war ich besonders gespannt auf die Inputs der Afrikaner. Da ca. ein knappes Drittel der Teilnehmenden aus Staaten wie Kenia, Uganda, Kamerun und Südafrika kamen gab es sehr interessante Einblicke in die Realität von Bildung in Afrika: Das Verschenken von Smartphones scheint die Probleme wohl kaum zu lösen (ist jetzt auch nicht die große Überraschung, oder?), sondern die notwendigen Maßnahmen zur Entwicklungshilfe bewegen sich eher im Bereich Versorgung und Sicherheit. Bevor man sich mit neuen Unterrichtsmethoden oder -medien auseinandersetzen sollte, ist eine grundlegende Förderung des Zugangs zu Schulen notwendig. Alles keine neuen Erkenntnisse denke ich, aber es war trotzdem sehr spannend, die Perspektiven derjenigen aufzufangen, die es wirklich betrifft. Ganz deutlich wurde außerdem, dass es einfach nicht „die afrikanische Schule“ gibt, sondern, dass die Unterschiede zwischen Nord und Süd und Stadt und Land erheblich sind. Während städtische Schulen in Südafrika bereits mit schulinternen Social Media Plattformen arbeiten, sitzen in ugandischen Schulen auf dem Land 50 Schüler und lernen indem sie die Worte des Lehrers wiederholen. Stifte, Papier und Kreide sind rar.

Auf alle vorgestellten Projekte kann ich hier natürlich nicht eingehen, nur eines, welche ich vor meinem Studienhintergrund besonders interessant fand: Bildungsexport – Bäckerlehre in Kamerun. Die Idee des Projektes ist, dass deutsche Bäcker ihre handwerklichen Fähigkeiten per Live-Stream nach Kamerun übertragen und die Kameruner so effektiver und hochwertiger Brot backen lernen. Ich habe keine Ahnung, ob das funktionieren kann, denn neben handwerklichen Fähigkeiten gibt ja noch materialbedingte Einflüsse auf ein „gutes“ Brot und generell weiß ich auch nicht, ob die Kameruner nun unbedingt deutsches Brot benötigen, aber den Ansatz fand ich ganz spannend und auf einen Versuch wird es sicher ankommen…

Abends gab es ein Bongo-Konzert von Schülern

Abends gab es ein Bongo-Konzert von Schülern

Videoproduktion, Live-Stream, Bildungsexport – eine schöne Überleitung zum nächsten Artikel zur eMOOCs-Tagung in Lausanne …

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Über Andrea Gumpert

https://tudfolio.wordpress.com http://tinyurl.com/maharaeportfolio http://lissiontour.wordpress.com http://vonnynachla.wordpress.com
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