#JFMH14 – Workshop zum Thema „Wie manage ich meinen Publikationsindex“

Letztes Wochenende fand ein wirklich schönes, spannendes, lustiges, anspruchsvolles und sehr lehrreiches Junges Forum für Medien und Hochschulentwicklung in Dresden statt. derzeit bin ich noch beim Nachbereiten, was Rückblicke, Fotos und Berichtesammlungen angeht, müsst Ihr Euch leider noch gedulden. Was mir aber am Herzen liegt, schnell zu verbloggen, ist der Workshop von Prof. Baumgartner zum Thema Publikationsindices.

Begonnen hat der Workshop mit einer kleinen Gruppensession, in der untereinander die folgenden Fragen erörtert werden sollten:

fragen

aus der Eröffnungsprezi von Prof. Baumgartner: http://prezi.com/wiojam8ayzy9/publikationsindizes/

In meiner Gruppe befanden sich so verschiedene und für sich interessante Leute, dass wir eigentlich noch viel länger Erfahrungen, Einsichten, Aussichten und Entwicklungen hätten austauschen können.

Da bereits im Workshop andiskutiert wurde, dass Prof. Baumgartner die Ergebnisse veröffentlicht, ich aber selbst, dann doch keine persönlichen Rechte verletzen möchte, gebe ich keine Namen an, sondern nur Titel/Position.

Zwei Mitarbeiter verschiedener pädagogischer Hochschulen in Österreich gaben an, dass Publikationen für seinen Arbeitsbereich nicht so wichtig sind, da sie eher im operativen Bereich tätig sind. Einer der beiden gibt an, an einer privaten pädagogischen Hochschule zu arbeiten und dort eher mit Verwaltungsanlegenheiten betraut zu sein. Zunehmend werden die Mitarbeiter der Hochschule aber vom Rektorat angehalten zu publizieren, wenn man dies aber nicht tut, hat dies keine Auswirkungen. Beide bezeichnen das Publizieren für sich eher als Kür als als Pflicht. In seiner Fachdisziplin gewinnt das Publizieren an Bedeutung, was sich mit der zunehmenden Verschmelzung von pädagogischen Hochschulen und Universitäten in Österreich erklären lässt. Die Publikationskultur befindet sich also im Umbruch und die Bedeutung nimmt zu.

Das nächste Gruppenmitglied ist eine Juniorprofessorin für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung, die angibt dass für sie das Publizieren eher Pflicht als Kür ist, denn sie muss aufgrund ihrer Position möglichst aktiv Publizieren. Sie gibt allerdings an, dass in den Erziehungswissenschaften die Indices wenig Relevanz haben, zumindest bisher. Es lässt sich aber auch Beobachten, dass die Bedeutung zunimmt, insbesondere dann wenn in Berufungskommissionen auch Psychologen sitzen. An ihrer Uni ist die Relevanz dieser Zahlen stark von Fach abhängig, zur wissenschaftlichen Exzellenz gehört offenbar mehr als nur das Publizieren in A-Journals.

Der vierte im Bunde hat eine ordentliche Professur an einer Universität in Deutschland und leitet die zentrale Einrichtung für E-Learning- und Multimedia-Services. Für ihn sind Publikationen insofern wichtig, da sie als Quelle von Informationen nach außen dienen und die Sichtbarkeit der Forschungseinrichtung damit erhöhen. Insbesondere Informationen über Projekte und Innovationen müssen beispielsweise auf Konferenzen publiziert werden, um die Außenwirksamkeit mit Blick auf Drittmittelfinanzierungen zu gewährleisten. In seiner Position forciert er schon, dass wissenschaftliche Mitarbeiter in reviewten Journals und Proceedings publizieren. Ganz besonders wichtig ist ihm außerdem die Zugänglichkeit, weshalb Open-Access-Publikationen von großer Bedeutung sind. Aus Erfahrungen berichtet er, dass die Bildungswissenschaften erst relativ spät auf die Form der Open-Access-Publikation gekommen sind, bzw. dass das Veröffentlichen im Netz erst spät zur gängigen Praxis geworden ist. Die Psychologen bspw. veröffentlichen schon seit längerem Online.

Eine Promovendin berichtet ihre Sicht und berichtet, dass sie aufgrund der bisher noch in den Kinderschuhen steckenden Promotion bisher noch wenig Kontakt mit Publikationspraktiken hatte. Sie selbst hat auch noch keine Publikationen, schätzt aber den Stellenwert sehr hoch ein.

Ich schließe den Reigen der Gruppenarbeit und berichte ebenfalls kurz: Ich stehe mit meiner Promotion inhaltlich zwar noch sehr am Anfang, aber durch die wissenschaftliche Arbeit, in die ich nun bereits seit einem Jahr involviert bin, reift diese auch inhaltlich immer weiter. Ich habe daher auch schon einige Publikationen, sehe diese aber eher als „wenig wertig“ an. Vielfach habe ich auf Konferenzen unseren gemeinsamen Open Online Course mit dem Projektteam präsentiert und bin daher als Mitautorin in einigen Proceedings zu finden. Stolz bin ich dann schon irgendwie mehr auf Buchbeiträge oder auf meine Masterarbeit – schließlich bin ich da Alleinautorin. Den Stellenwert im Rahmen meiner Fachdisziplin einzuordnen fällt mir schwer. Da der ganze Bereich educational technology sehr interdisziplinär angelegt ist, kann es sein, dass die Psychologen den Stellenwert des Publizierens in A-Journals deutlich höher einschätzen, als diejenigen, die Wert auf Praxisinnovationen legen. Ich denke, dass in meinem engeren Arbeitsbereich das Publizieren sehr wichtig ist, aber zur wissenschaftlichen Exzellenz ganz klar auch die Fähigkeit zur Einwerbung von Drittmitteln gehört.

Nach dieser wirklich interessanten Gespärchsrunde, referiert Prof. Baumgartner kurz zum Thema Indices. Die Prezi ist „public and reusable“ und damit so frei verfügbar, dass ich sie hier einbinden darf:

Hier geht’s zur Prezi

 

Der JIP (=Journal Impact Factor) ist der erste Index, der vorgestellt wird.

Was gibt der JIP an? Er gibt die Anzahl der Zitationen eines Artikels in einer Zeitschrift in einem andereren wissenschaftlichen Artikel pro Jahr an. Das heißt: (Zahl der Zitate im Jahr x) geteilt durch (Zahl der publizierten Artikel im Jahre ((x-1)+(x-2)))

Prof. Baumgartner weist dabei darauf hin, dass dieser Index „schief“ ist, denn er misst nur, ob man zitiert wird, aber nicht in welchem Kontext (kann auch Kritik oder Negativ-Beispiel sein). Außerdem zählt der JIP nur den Erst-Autor. Für uns im deutschsprachigen Raum kommt außerdem die Schwierigkeit hinzu, dass natürlich die englischsprachige Publikationen hier stark im Vorteil sind, da sie natürlich von einer größeren Anzahl an Personen zitiert werden können. Diese Englisch-Bias trifft aber nicht nur auf den JIP zu, sondern auf alle Indices. Vergleicht man die Rolle der Fachdisziplinen, ist festzustellen, dass die Naturwissenschaften hier deutlich mehr Zeitschriften mit einem hohen JIP aufweisen, als beispielsweise die Bildungswissenschaften. Für uns ist es außerdem schwierig über die Fachgebiete hinweg zu vergleichen, zum Beispiel wenn Fragen rings ums eLearning in Wirtschaftswissenschaften und bei den Psychologen eine Rolle spielen. Ein weiterer zu diskutierender Punkt ist die „Neuwertigkeit“ von Erkenntnissen. Ein Artikel kann nur dann gezählt werden, wenn er beispielsweise keine Danksagung enthält, weil diese darauf hindeuten könnte, dass der Artikel keine neuen Erkenntnisse präsentiert. Proceedings zählen gar nicht, weil sie ein „work in progress“ darstellen (hier gehen allerdings die Aussagen von prof. Baumgartner und Wikipedia auseinander – keine Gewähr). Veröffentlicht man also Erkenntnisse in Proceedings und dann noch einmal in einem Journal, gilt das dann nicht mehr als Erstveröffentlichung.

Prof. Baumgartner kritisiert, dass die Zeitschriftenverlage mit dieser Maßzahl vor allem ökonomische Interessen verfolgen.

Der H-Index hebt diese Schieflage der Aussagekraft von bibliometrischen Angaben ein wenig auf. Gezählt wird all das, was wirklich wissenschaftlich (online) publiziert wurde, wenn die folgende Form eingehalten wird:

  • Artikel liegt im pdf-Format vor
  • die Namen der Autoren stehen über oder unter dem Titel auf einer eigenen Zeile
  • Titel in hervorgehobener Schrift
  • Literaturverzeichnis muss als solches überschrieben sein
  • –> damit ist die Publikation über Google Scholar auch findbar (Google Scholar erkennt auch Umlaute, Akzente usw., ich habe also mit „Lißner“ kein Problem)

Was gibt der H-Index nun an? Ein H von 6 bedeutet, dass 6 Publikationen mindestens 6mal zitiert worden sind.

Auch beim h-Index ist allerdings zu kritisieren, dass vor allem Naturwissenschaften, sowie Artikel in englischer Sprache einen hat besonderen Stellenwert, das heißt eine größere Zitiercommunity haben. Auch der H-Index berücksichtigt keine anderen wissenschaftlichen Leistungen, wie beispielsweise das Einwerben von Drittmitteln. Junge WissenschaftlerInnen werden immer ein wenig benachteiligt, weil sie aufgrund des Alters nicht mehr publizieren konnten. Aber auch sehr alte Publikationen können nicht mehr mitgezählt werden. Bei diesem bibliometrischen Index können auch Eigenzitate mitgezählt werden, was von Prof. Baumgartner aber wenig kritisch gesehen wird, da man seinen Index nur erhöhen würde, wenn man öfter als andere seine Publikationen zitiert. Einen wichtigen Hinweis finde ich außerdem noch, dass man beim Wechsel des Namens (in der Regel nach familiären Veränderungen wie Hochzeit oder Scheidung) die beiden Accounts miteinander kombinieren kann und somit keine Publikationen „verloren“ gehen.

Nach der Pause widmen wir uns der Software „Publish or Perish“. Mit diesem Programm kann man seinen eigenen H-Index herausfinden und auch Publikationen zu Themen suchen und nach „Wertigkeit“ sortieren. („Wertig“ bezieht sich einzig und allein auf die Zahl der Zitationen, ob diese Publikation dann auch qualitativ die „wertigste“ ist, wird nicht gemessen!)

Dazu muss aber vorher das Google Scholar Profil angelegt und gepflegt werden. Wie das geht, beschreibt Prof. Baumgartner hier. Mich hat wirklich erstaunt, wie gut Google schon meine Publikationen kennt. Bis auf eine internationale Publikation in einem Proceeding konnte die Suchmaschine bereits alles finden.

Hier ist mein Google Scholar Profil.

Suche in nach meinem Namen in der Publish-or-Perish-Software, muss ich erstmal alle Publikationen „aushaken“, die nicht von mir sind. Dann ergibt sich der h-Index von 1. (besser als Null oder? 😉 ) So sieht meine Liste dort aus:

p-or-p

 

 

Ich würde eigentlich gern noch viel mehr darüber wissen, was man noch so mit der Software machen kann und welchen Stellenwert diese Zahl nun wirklich für Beruf und Wissenschaftliche Laufbahn haben. Ich denke aber, dass es sicher auch auf Prof. Baumgartners Blog dazu noch einige Informationen geben wird.

Ich nehme für mich auf jeden Fall mit, dass zum Publizieren noch mehr gehört, als nur einen Artikel zu schreiben. Er muss auch in der richtigen Form online verfügbar sein und der Fachcommunity bekannt (Rolle sozialer Medien?), sodass mein h-Index vielleicht schon in einigen Jahren die 2 oder 3 erreichen kann 🙂

Falls ich hier irgendetwas falsch beschrieben habe, merkt das unbedingt in den Kommentaren an. Wenn Ihr Meinungen, Hinweise oder Ergänzungen habt, immer her damit 🙂

 

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Über Andrea Gumpert

https://tudfolio.wordpress.com http://tinyurl.com/maharaeportfolio http://lissiontour.wordpress.com http://vonnynachla.wordpress.com
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3 Antworten zu #JFMH14 – Workshop zum Thema „Wie manage ich meinen Publikationsindex“

  1. Anja Lorenz schreibt:

    Hat dies auf Anjas Blog rebloggt und kommentierte:
    Andrea hat über den Workshop von Prof. Baumgartner zu Publikationsindezes gebloggt. Eine sehr gute Zusammenfassung über ein wirklich spannendes Thema – auch oder gerade wenn man dem ganzen kritisch gegenüber steht.

  2. Anja Lorenz schreibt:

    Danke für die sehr gute Zusammenfassung. Eine kleine Korrektur: um im Tool Publish or Perish recherchieren zu können, ist kein eigenes Profil nötig. Gerade das macht sie (neben den anderen Index-Varianten) auch zusätzlich interessant: Man kann prinzipiell jeden recherchieren.

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