Der Call ist raus: Vorfreude auf den Austausch auf dem #JFMH15

Fast ist Weihnachten und das Junge Forum 2014 nun schon ein halbes Jahr alt. Während die Arbeiten an der Veröffentlichung zum #JFMH14 auf Hochtouren laufen, ist bereits der Aufruf zum Einreichen von Beiträgen für 2015 online gegangen. Die Uni Düsseldorf wird in kommenden Jahr NachwuchswissenschaftlerInnen und PraktikerInnen begrüßen, um gemeinsam Themen rund um das Tagungsmotto: „Bildung gemeinsam verändern – (Neue?) Impulse aus Forschung und Praxis“ zu diskutieren. Eingeladen sind Studierende, WissenschaftlerInnen sowie praktisch Tätige aus den Bereichen Mediendiaktik, Medienpädagogik, Hochschulentwicklung und angrenzenden Bildungswissenschaften.

Als Gastgeberin des letzten Forums danke ich an dieser Stelle schon einmal David Meinhard und dem Standort Düsseldorf, der uns – nämlich den Nachwuchsgruppen der ausrichtenden Fachgeselllschaften  GMW, DGHD,DGfE und GI – Fachgruppe E-Learning – eine Plattform für interdisziplinären, kritischen und befruchtenden Austausch bieten.

Mit verschiedenen Ideen und Ansätzen für eine Einreichung gehe ich in die Feiertage und wünsche allen ein besinnliches Weihnachtsfest!

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#JFMH14 – Workshop zum Thema „Wie manage ich meinen Publikationsindex“

Letztes Wochenende fand ein wirklich schönes, spannendes, lustiges, anspruchsvolles und sehr lehrreiches Junges Forum für Medien und Hochschulentwicklung in Dresden statt. derzeit bin ich noch beim Nachbereiten, was Rückblicke, Fotos und Berichtesammlungen angeht, müsst Ihr Euch leider noch gedulden. Was mir aber am Herzen liegt, schnell zu verbloggen, ist der Workshop von Prof. Baumgartner zum Thema Publikationsindices.

Begonnen hat der Workshop mit einer kleinen Gruppensession, in der untereinander die folgenden Fragen erörtert werden sollten:

fragen

aus der Eröffnungsprezi von Prof. Baumgartner: http://prezi.com/wiojam8ayzy9/publikationsindizes/

In meiner Gruppe befanden sich so verschiedene und für sich interessante Leute, dass wir eigentlich noch viel länger Erfahrungen, Einsichten, Aussichten und Entwicklungen hätten austauschen können.

Da bereits im Workshop andiskutiert wurde, dass Prof. Baumgartner die Ergebnisse veröffentlicht, ich aber selbst, dann doch keine persönlichen Rechte verletzen möchte, gebe ich keine Namen an, sondern nur Titel/Position.

Zwei Mitarbeiter verschiedener pädagogischer Hochschulen in Österreich gaben an, dass Publikationen für seinen Arbeitsbereich nicht so wichtig sind, da sie eher im operativen Bereich tätig sind. Einer der beiden gibt an, an einer privaten pädagogischen Hochschule zu arbeiten und dort eher mit Verwaltungsanlegenheiten betraut zu sein. Zunehmend werden die Mitarbeiter der Hochschule aber vom Rektorat angehalten zu publizieren, wenn man dies aber nicht tut, hat dies keine Auswirkungen. Beide bezeichnen das Publizieren für sich eher als Kür als als Pflicht. In seiner Fachdisziplin gewinnt das Publizieren an Bedeutung, was sich mit der zunehmenden Verschmelzung von pädagogischen Hochschulen und Universitäten in Österreich erklären lässt. Die Publikationskultur befindet sich also im Umbruch und die Bedeutung nimmt zu.

Das nächste Gruppenmitglied ist eine Juniorprofessorin für Erziehungswissenschaftliche Medienforschung, die angibt dass für sie das Publizieren eher Pflicht als Kür ist, denn sie muss aufgrund ihrer Position möglichst aktiv Publizieren. Sie gibt allerdings an, dass in den Erziehungswissenschaften die Indices wenig Relevanz haben, zumindest bisher. Es lässt sich aber auch Beobachten, dass die Bedeutung zunimmt, insbesondere dann wenn in Berufungskommissionen auch Psychologen sitzen. An ihrer Uni ist die Relevanz dieser Zahlen stark von Fach abhängig, zur wissenschaftlichen Exzellenz gehört offenbar mehr als nur das Publizieren in A-Journals.

Der vierte im Bunde hat eine ordentliche Professur an einer Universität in Deutschland und leitet die zentrale Einrichtung für E-Learning- und Multimedia-Services. Für ihn sind Publikationen insofern wichtig, da sie als Quelle von Informationen nach außen dienen und die Sichtbarkeit der Forschungseinrichtung damit erhöhen. Insbesondere Informationen über Projekte und Innovationen müssen beispielsweise auf Konferenzen publiziert werden, um die Außenwirksamkeit mit Blick auf Drittmittelfinanzierungen zu gewährleisten. In seiner Position forciert er schon, dass wissenschaftliche Mitarbeiter in reviewten Journals und Proceedings publizieren. Ganz besonders wichtig ist ihm außerdem die Zugänglichkeit, weshalb Open-Access-Publikationen von großer Bedeutung sind. Aus Erfahrungen berichtet er, dass die Bildungswissenschaften erst relativ spät auf die Form der Open-Access-Publikation gekommen sind, bzw. dass das Veröffentlichen im Netz erst spät zur gängigen Praxis geworden ist. Die Psychologen bspw. veröffentlichen schon seit längerem Online.

Eine Promovendin berichtet ihre Sicht und berichtet, dass sie aufgrund der bisher noch in den Kinderschuhen steckenden Promotion bisher noch wenig Kontakt mit Publikationspraktiken hatte. Sie selbst hat auch noch keine Publikationen, schätzt aber den Stellenwert sehr hoch ein.

Ich schließe den Reigen der Gruppenarbeit und berichte ebenfalls kurz: Ich stehe mit meiner Promotion inhaltlich zwar noch sehr am Anfang, aber durch die wissenschaftliche Arbeit, in die ich nun bereits seit einem Jahr involviert bin, reift diese auch inhaltlich immer weiter. Ich habe daher auch schon einige Publikationen, sehe diese aber eher als „wenig wertig“ an. Vielfach habe ich auf Konferenzen unseren gemeinsamen Open Online Course mit dem Projektteam präsentiert und bin daher als Mitautorin in einigen Proceedings zu finden. Stolz bin ich dann schon irgendwie mehr auf Buchbeiträge oder auf meine Masterarbeit – schließlich bin ich da Alleinautorin. Den Stellenwert im Rahmen meiner Fachdisziplin einzuordnen fällt mir schwer. Da der ganze Bereich educational technology sehr interdisziplinär angelegt ist, kann es sein, dass die Psychologen den Stellenwert des Publizierens in A-Journals deutlich höher einschätzen, als diejenigen, die Wert auf Praxisinnovationen legen. Ich denke, dass in meinem engeren Arbeitsbereich das Publizieren sehr wichtig ist, aber zur wissenschaftlichen Exzellenz ganz klar auch die Fähigkeit zur Einwerbung von Drittmitteln gehört.

Nach dieser wirklich interessanten Gespärchsrunde, referiert Prof. Baumgartner kurz zum Thema Indices. Die Prezi ist „public and reusable“ und damit so frei verfügbar, dass ich sie hier einbinden darf:

Hier geht’s zur Prezi

 

Der JIP (=Journal Impact Factor) ist der erste Index, der vorgestellt wird.

Was gibt der JIP an? Er gibt die Anzahl der Zitationen eines Artikels in einer Zeitschrift in einem andereren wissenschaftlichen Artikel pro Jahr an. Das heißt: (Zahl der Zitate im Jahr x) geteilt durch (Zahl der publizierten Artikel im Jahre ((x-1)+(x-2)))

Prof. Baumgartner weist dabei darauf hin, dass dieser Index „schief“ ist, denn er misst nur, ob man zitiert wird, aber nicht in welchem Kontext (kann auch Kritik oder Negativ-Beispiel sein). Außerdem zählt der JIP nur den Erst-Autor. Für uns im deutschsprachigen Raum kommt außerdem die Schwierigkeit hinzu, dass natürlich die englischsprachige Publikationen hier stark im Vorteil sind, da sie natürlich von einer größeren Anzahl an Personen zitiert werden können. Diese Englisch-Bias trifft aber nicht nur auf den JIP zu, sondern auf alle Indices. Vergleicht man die Rolle der Fachdisziplinen, ist festzustellen, dass die Naturwissenschaften hier deutlich mehr Zeitschriften mit einem hohen JIP aufweisen, als beispielsweise die Bildungswissenschaften. Für uns ist es außerdem schwierig über die Fachgebiete hinweg zu vergleichen, zum Beispiel wenn Fragen rings ums eLearning in Wirtschaftswissenschaften und bei den Psychologen eine Rolle spielen. Ein weiterer zu diskutierender Punkt ist die „Neuwertigkeit“ von Erkenntnissen. Ein Artikel kann nur dann gezählt werden, wenn er beispielsweise keine Danksagung enthält, weil diese darauf hindeuten könnte, dass der Artikel keine neuen Erkenntnisse präsentiert. Proceedings zählen gar nicht, weil sie ein „work in progress“ darstellen (hier gehen allerdings die Aussagen von prof. Baumgartner und Wikipedia auseinander – keine Gewähr). Veröffentlicht man also Erkenntnisse in Proceedings und dann noch einmal in einem Journal, gilt das dann nicht mehr als Erstveröffentlichung.

Prof. Baumgartner kritisiert, dass die Zeitschriftenverlage mit dieser Maßzahl vor allem ökonomische Interessen verfolgen.

Der H-Index hebt diese Schieflage der Aussagekraft von bibliometrischen Angaben ein wenig auf. Gezählt wird all das, was wirklich wissenschaftlich (online) publiziert wurde, wenn die folgende Form eingehalten wird:

  • Artikel liegt im pdf-Format vor
  • die Namen der Autoren stehen über oder unter dem Titel auf einer eigenen Zeile
  • Titel in hervorgehobener Schrift
  • Literaturverzeichnis muss als solches überschrieben sein
  • –> damit ist die Publikation über Google Scholar auch findbar (Google Scholar erkennt auch Umlaute, Akzente usw., ich habe also mit „Lißner“ kein Problem)

Was gibt der H-Index nun an? Ein H von 6 bedeutet, dass 6 Publikationen mindestens 6mal zitiert worden sind.

Auch beim h-Index ist allerdings zu kritisieren, dass vor allem Naturwissenschaften, sowie Artikel in englischer Sprache einen hat besonderen Stellenwert, das heißt eine größere Zitiercommunity haben. Auch der H-Index berücksichtigt keine anderen wissenschaftlichen Leistungen, wie beispielsweise das Einwerben von Drittmitteln. Junge WissenschaftlerInnen werden immer ein wenig benachteiligt, weil sie aufgrund des Alters nicht mehr publizieren konnten. Aber auch sehr alte Publikationen können nicht mehr mitgezählt werden. Bei diesem bibliometrischen Index können auch Eigenzitate mitgezählt werden, was von Prof. Baumgartner aber wenig kritisch gesehen wird, da man seinen Index nur erhöhen würde, wenn man öfter als andere seine Publikationen zitiert. Einen wichtigen Hinweis finde ich außerdem noch, dass man beim Wechsel des Namens (in der Regel nach familiären Veränderungen wie Hochzeit oder Scheidung) die beiden Accounts miteinander kombinieren kann und somit keine Publikationen „verloren“ gehen.

Nach der Pause widmen wir uns der Software „Publish or Perish“. Mit diesem Programm kann man seinen eigenen H-Index herausfinden und auch Publikationen zu Themen suchen und nach „Wertigkeit“ sortieren. („Wertig“ bezieht sich einzig und allein auf die Zahl der Zitationen, ob diese Publikation dann auch qualitativ die „wertigste“ ist, wird nicht gemessen!)

Dazu muss aber vorher das Google Scholar Profil angelegt und gepflegt werden. Wie das geht, beschreibt Prof. Baumgartner hier. Mich hat wirklich erstaunt, wie gut Google schon meine Publikationen kennt. Bis auf eine internationale Publikation in einem Proceeding konnte die Suchmaschine bereits alles finden.

Hier ist mein Google Scholar Profil.

Suche in nach meinem Namen in der Publish-or-Perish-Software, muss ich erstmal alle Publikationen „aushaken“, die nicht von mir sind. Dann ergibt sich der h-Index von 1. (besser als Null oder? 😉 ) So sieht meine Liste dort aus:

p-or-p

 

 

Ich würde eigentlich gern noch viel mehr darüber wissen, was man noch so mit der Software machen kann und welchen Stellenwert diese Zahl nun wirklich für Beruf und Wissenschaftliche Laufbahn haben. Ich denke aber, dass es sicher auch auf Prof. Baumgartners Blog dazu noch einige Informationen geben wird.

Ich nehme für mich auf jeden Fall mit, dass zum Publizieren noch mehr gehört, als nur einen Artikel zu schreiben. Er muss auch in der richtigen Form online verfügbar sein und der Fachcommunity bekannt (Rolle sozialer Medien?), sodass mein h-Index vielleicht schon in einigen Jahren die 2 oder 3 erreichen kann 🙂

Falls ich hier irgendetwas falsch beschrieben habe, merkt das unbedingt in den Kommentaren an. Wenn Ihr Meinungen, Hinweise oder Ergänzungen habt, immer her damit 🙂

 

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Wir sind Commentathon-Partner o/

Geballte sächsische MOOC-Kompetenz als Review-Team für das Schwerpunktheft zum Thema “Qualität von MOOCs” von INNOQUAL!

Anjas Blog

…CommentaWAS?

Der Commentathon ist eigentlich nichts anderes als ein Review-Prozess: Man begutachtet wissenschaftliche Beiträge um zu entscheiden, ob sie für ein Journal oder eine Konferenz angenommen werden sollen. Aber…

…was ist an einem Commentathon anders als an einem traditionellen Review-Prozess?

  • Es wird kein Gesamtgutachten erstellt. Vielmehr kommt es auf kleine Kommentare, Hinweise und konstruktive Kritik an, die an den betroffenen Stellen hinterlassen werden.
  • Es ist offen. Mehr oder weniger.
  • Es ist keine Arbeit, sonder ein „Event“ 🙂

Das ganze sieht für das Journal for Innovation and Quality in Learning (INNOQUAL), das den Commentathon veranstaltet, so aus:

Review-Prozess von Innoqual

Mehr Details gibt es hier.

…ok, und worum geht es?

Das Journal for Innovation and Quality in Learning (INNOQUAL) gibt ein Schwerpunktheft zum Thema „Qualität von MOOCs“ heraus. Darum werden sich folglich auch die Beiträge drehen. Als lokale Partner für den Commentathon sind dabei:

  • Graz University of Technology, Univ.-Doz. Dr…

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eMOOCs ’14 – die MOOC-Community an der EPFL Lausanne

Am 08.02.14 reisten wir los: Anja und ich, in Vertretung für das gesamte SOOC-Team düsten per Nachtzug nach Lausanne zum MOOC European Stakeholders Summit. Nach einem traumhaften Sonntag in Lausanne und einem doch recht komischem Abend vor den Schweizer Nachrichtensendern (an diesem Sonntag war die Abstimmung zur Initiative «Gegen Masseneinwanderung»  mit viel Social Media Aktivität) startete am Montagmorgen die Tagung mit dem Pre-Conference-Tutorial von S. Rohrer und H. Pongratz.

Es folgten zwei spannende Tage mit viel Infos rings um kommerzielle und wissenschaftliche Einblicke in das Thema MOOCs. Dabei zeigte sich mal wieder deutlich, dass das Thema irgendwie nichts Neues ist, aber einen solchen Ruck durch den Bereich E-Learning geschickt hat, dass es ganze Konferenzen füllt und so viele Personen und Institutionen mobilisiert in der digitalen Lehre aktiv zu werden. Deshalb bin ich keine von denjenigen, die MOOCs verteufelt, als schlechteres WBT oder neues Wort für Vorlesungsaufzeichnungen. Der MOOC-Hype ist nun mal ein Hype und daher reflektiert zu sehen, aber wenn es dazu führt, dass sich viel mehr Leute und Institutionen Gedanken über Lehre machen und über Digitalisierung nachdenken, ist das doch super. Außerdem geht die MOOC-Diskussion ja auch über die xMOOCs hinaus: cMOOCs sind schwierig in die klassischen Strukturen zu implementieren, eröffnen aber neue Perspektiven für Lehre und Lernen.

Soweit so gut und so spannend auch die Diskussionen und Gespräche auf der eMOOCs, Austausch mit Vertretern der Wirtschaft (z. B. T-Systems) und etablierten E-Learning-Spezialisten (z. B. Universität Graz). Viele Informationen zu den Vorträgen sind im Netz zu finden (hier, hier oder hier) deswegen werde ich hier jetzt nicht meine kompletten Aufzeichnungen abtippen.

Am Mittwoch dann hatten wir unseren Vortrag: Footsteps through the SOOC Project


Hier geht’s zur Prezi

Im Spitzentempo rasten wir durch unseren Vortrag und versuchten in den 12 Minuten Vortragszeit so viel wie möglich über den SOOC zu erzählen. Was wir nicht unterbekommen haben, kann man im Paper und in den anderen Publikationen nachlesen.

Abschließend gab es noch einige Keynotes und ich muss sagen – entgegen der Meinungen der anderen – fand ich die von Carolina Jeux aus Spanien wirklich gut. Sie hat die Perspektiven von Bildungsexporten nach Lateinamerika aufgezeigt und einige „Lessons Learned“ der MiriadaX Plattform vorgestellt. Auch zeigte der Vortrag, dass die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und ein geschlossenes Auftreten, in anderen Ländern funktioniert ;-).

Abends ging es dann mit dem Nachtzug ziemlich erschöpft wieder in Richtung Heimat. Mal wieder fiel es schwer, den Kollegen die Inhalte, Mehrwerte und neuen Informationen zu berichten, weil einfach viel zu viele Informationen in kürzester Zeit vermittelt worden. Zeitnah bloggen hätte wohl geholfen…. 😉

 

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E-Portfolios und deutsch-afrikanische Partnerschaft

Ende Januar war ich auf eine Tagung nach Frankfurt eingeladen, veranstaltet von der „Stiftung Partnerschaft mit Afrika„. Die Veranstaltenden baten mich, einen Workshop über E-Portfolios zu machen und aufzuzeigen, welchen Potenziale diese Methode für deutsch-afrikanische Schulprojekte entfalten kann.

Ich sagte zu, vor dem Hintergrund, dass ich im letzten Jahr meinen Master im Lehramt für Sozialkunde angeschlossen habe und seit dem eigentlich nichts mehr mit politischer Bildung oder interkultureller Zusammenarbeit zu tun hatte. Also gesagt, getan: Workshop-Planung für eine völlig unbekannte Zielgruppe. Wer kommt wohl zu so einem Workshop? Schülerinnen und Schüler, Lehrende, Afrikaner, Deutsche? Medienaffinität? Vorwissen? Keine Ahnung.

Gut, dann am besten alles Wichtige auf Folien packen und zur Not improvisieren. Ich entschied mich dafür, den Einführungsteil des Workshops etwas umfangreicher zu gestalten und einen ausführlichen Input zu E-Portfolios und Fallbeispielen/ Anwendungsszenarien zu geben. So aufbereitet, dass es Schüler als auch Lehrer verstehen. Im Anschluss sollen die Teilnehmenden dann ein Schulprojekt selbst planen und das E-Portfolio als Methode sowie als Kollaborations- und Kommunikationsmedium mit einbeziehen.

Am Samstag, den 25.01. war es dann soweit: Workshop-Tag. Insgesamt drei Stunden hatten wir nun Zeit gemeinsam zu denken, zu diskutieren und auszuprobieren. Wunderbare Situation. Wie erahnt, hatten die Teilnehmenden noch nichts von E-Portfolio-Arbeit gehört. Ich versuchte möglichst praxisorientiert und konkret die Charakteristika der Methode, die Vor- und Nachteile und die Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen. Dafür nutzte ich viele E-Portfolios von Schülerinnen und Schülern der HAK Krems (an der ich ja im vorletzten Jahr Praktikum gemacht hatte) als Anschauungsbeispiele.

Lehrerinnen und Lehrer, aber auch der einzige Schüler in der Gruppe waren sehr begeistert und wollten Mahara, welches ich als E-Portfolio-System vorstellte, gern gleich selbst ausprobieren. Wer einen Laptop dabei hatte, meldete sich im Praxisteil des Workshops auf der österreichischen Instanz an und testete direkt die ersten Funktionen. Die anderen planten mit Papier und Stift das Schulprojekt, in dem sie sich an dem E-Portfolio-Kreislauf orientierten. Dabei kamen wirklich spannende, fächerübergreifende Ideen heraus. Von der Auseinandersetzung mit dem Begriff „Frieden“ bis zur Betrachtung der verschiedenen afrikanischen Kulturen unter ausgewählten Schwerpunkten: es entstanden sehr spannende Anwendungsbeispiele.

Die Folien des Workshops stehen natürlich online:

Was habe ich für mich aus den beiden Tagen zwischen Deutschland und Afrika mitgenommen?

Da ich im Vorfeld wirklich keine Vorstellung von Bildung in Afrika hatte, war ich besonders gespannt auf die Inputs der Afrikaner. Da ca. ein knappes Drittel der Teilnehmenden aus Staaten wie Kenia, Uganda, Kamerun und Südafrika kamen gab es sehr interessante Einblicke in die Realität von Bildung in Afrika: Das Verschenken von Smartphones scheint die Probleme wohl kaum zu lösen (ist jetzt auch nicht die große Überraschung, oder?), sondern die notwendigen Maßnahmen zur Entwicklungshilfe bewegen sich eher im Bereich Versorgung und Sicherheit. Bevor man sich mit neuen Unterrichtsmethoden oder -medien auseinandersetzen sollte, ist eine grundlegende Förderung des Zugangs zu Schulen notwendig. Alles keine neuen Erkenntnisse denke ich, aber es war trotzdem sehr spannend, die Perspektiven derjenigen aufzufangen, die es wirklich betrifft. Ganz deutlich wurde außerdem, dass es einfach nicht „die afrikanische Schule“ gibt, sondern, dass die Unterschiede zwischen Nord und Süd und Stadt und Land erheblich sind. Während städtische Schulen in Südafrika bereits mit schulinternen Social Media Plattformen arbeiten, sitzen in ugandischen Schulen auf dem Land 50 Schüler und lernen indem sie die Worte des Lehrers wiederholen. Stifte, Papier und Kreide sind rar.

Auf alle vorgestellten Projekte kann ich hier natürlich nicht eingehen, nur eines, welche ich vor meinem Studienhintergrund besonders interessant fand: Bildungsexport – Bäckerlehre in Kamerun. Die Idee des Projektes ist, dass deutsche Bäcker ihre handwerklichen Fähigkeiten per Live-Stream nach Kamerun übertragen und die Kameruner so effektiver und hochwertiger Brot backen lernen. Ich habe keine Ahnung, ob das funktionieren kann, denn neben handwerklichen Fähigkeiten gibt ja noch materialbedingte Einflüsse auf ein „gutes“ Brot und generell weiß ich auch nicht, ob die Kameruner nun unbedingt deutsches Brot benötigen, aber den Ansatz fand ich ganz spannend und auf einen Versuch wird es sicher ankommen…

Abends gab es ein Bongo-Konzert von Schülern

Abends gab es ein Bongo-Konzert von Schülern

Videoproduktion, Live-Stream, Bildungsexport – eine schöne Überleitung zum nächsten Artikel zur eMOOCs-Tagung in Lausanne …

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nachträglich verbloggt, die letzte: Tagungsmarathon Teil 3: MOOCCamp in Frankfurt

Hiermit möchte ich den Kreis nun schließen und dem tollen Jahr 2013 lebewohl sagen. Dieser Post kommt wohl auch etwas spät, aber man könnte auch denken, dass ich ihn mir einfach bewusst lange aufgehoben habe.

Erhöhtes Twitteraufkommen: #MOOCCamp13

An einem Wochenende mitten im Dezember reisen Anja, Maria und ich zum MOOCCamp nach Frankfurt. Claudia Bremer hatte uns eingeladen, den SOOC vorzustellen und fleißig zum Thema x- und cMOOCs mitzudiskutieren. Gerade die strikte Trennung und das gegenseitige Misstrauen zwischen x- und c sollte auf diesem Vortrags-Barcamp-Mischmasch-Format aufgeweicht werden. Für mich sehr spannend waren die Beiträge von Oliver Janoschka (vom Stifterverband über „Digitalisierung der Hochschulbildung“), Felix Seyfarth (spricht über das MOOC-Konzept der Leuphana-Universität) und natürlich die gemeinsame cMOOC-Session. Irgendwie mussten wir doch feststellen, dass die Probleme der cMOOC-Macher doch zu weiten Teilen andere sind als die der xMOOC-Macher. Während Andreas Wittke Einblicke in die Videoproduktion und zugehörige Kalkulation gab, diskutierten die cMOOCler über Motivation, Personalaufwand der Betreuung und geeignete Plattformen im Social Web.

Es gab wirklich unglaublich viele spannende Diskussionen (real und auf Twitter), viele neue MOOC-Ideen und für mich sehr interessante Einblicke in die Welt der xMOOCs und der bildungspolitischen Fragestellungen.

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vl.: Anja Lorenz, Maria Müller und Andrea Lißner

mooccamp

vl: Raffaelina Rossetti (SOOC-Teilnehmerin), Nina Kahnwald, Andrea Lißner, Anja Lorenz

Rückblick, Weitblick, Ausblick

EIn klitzkleiner Jahresrückblick soll aber auch nicht ganz fehlen. Das turbulente Jahr begann im Januar mit meinem Start an der Fakultät Informatik, in einem Projekt im Rahmen dessen Schülerinnen und Schüler mittels E-Learning auf das Studium vorbereitet worden. Im März beendete ich mein Studium nach  drei Semestern und konnte voll ins Berufsleben einsteigen. Ich bekam die Chance wieder am Medienzentrum anzufangen, im Projekt SOOC. Etwa zur selben Zeit bekam ich die Zusage für TUDfolio, mein erstes eigens beantragtes Projekt zum Thema E-Portfolio. Wahnsinn. Bis zum Projektstart im August stand dann aber wieder der SOOC im Vordergrund: Schnell entwickelte sich dieses Projekt zum Selbstläufer, ein tolles Team, ein wunderbares Konzept und interessante Erfahrungen trugen uns über das Sommersemester. Der Projektstart von TUDfolio rückte heran und ich gab KoSEL, das Projekt an der Informatik auf, wollte mich auf neue Aufgaben konzentrieren. Im Herbst folgten lehrreiche und spannende und aufregende Tagungen: u. a. GMWGeNeMe, GML², OEB und das MOOCCamp.

Es wäre vermessen, zu erwarten, dass 2014 ein ähnlich spannendes und erfolgreiches Jahr wird. Dennoch bin ich ganz sicher, dass es ein Jahr mit vielen Neuerungen, Veränderungen und Weiterentwicklungen wird. Ich bin wirklich gespannt, was in den nächsten Monaten passieren wird und möchte mir daher eigentlich auch nur eines für das neue Jahr vornehmen: Gelassen die Dinge auf sich zukommen lassen und etwas weniger Ungeduld, wenn es mal langsamer voran geht.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für dieses Jahr bei den Personen, die mir dieses 2013 überhaupt erst möglich gemacht haben:

Zuerst natürlich bei meiner Familie!

Prof. Steffen Friedrich, der es mir ermöglichte bereits im Studium ins Berufsleben einzusteigen. Daniela Pscheida und Prof. Köhler, die mir den Einstieg in den SOOC und die Mitarbeit im eScience-Projekt möglich machten (Und danke Daniela: So viel wie in der Zeit mit Dir in einem Büro, habe ich im ganzen Studium nicht gelernt). Anja Lorenz, die von Anfang an, eine Mentorin in der Frage „Wie lege ich möglichst viel Energie und Leidenschaft in meine Arbeit?“ war (sicher haben wir uns auch oft gegenseitig angestachelt ;-)).  Claudia Bremer, die mich auf der GMW13 toll motiviert und unterstützt hat, Danke. Und natürlich auch Sandra Hofhues, die immer ein offenes Ohr für Diss-Problemchen hatte. Ich hatte und habe das Glück, Schülerin bei tollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu sein, vielen Dank!

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nachträglich verbloggt: Tagungsmarathon zum Jahresende Teil 2 – Online Educa Berlin

Zwischen dem 04. und 06.12.13 fand in Berlin die Online Educa statt, eine der (angeblich die größte, allerdings empfand ich 2012 die BETT auch als ziemlich groß) größten Bildungstechnologiemessen der Welt. Das Medienzentrum hat dort schon seit einigen Jahren einen Messestand, wo die Projekte und Dienstleistungen der einzelnen Abteilungen präsentiert und aktuelle Forschung diskutiert werden kann. Ich wurde in diesem Jahr mit der Aufgabe betraut, die Gestaltung des Standes und den Ablauf auf der OEB13 zu organisieren. Da unser kleines Vehikel zum Transport von Präsentationsmaterial absolut nicht geeignet ist, habe ich ein Auto geliehen und mit Postern, Roll-ups, Flyern und allerlei Give-Aways beladen. Der Stand war dank Marlen und Christian schnell aufgebaut und ansprechend gestaltet. Einen exklusiven Platz bekam natürlich unser SOOC-Poster, in das die liebe Anja so viel Energie gesteckt hat (Anja bloggt hier davon).

Hier die deutsche Version:

Die Betreuung des Standes war an sich sehr spannend, denn immer wieder kamen Interessierte anderer Unis oder Bildungsinstitutionen und erkundigten sich nach unseren Angeboten. Zum Teil war das Ganze aber auch ziemlich kommerziell, denn oft baten Vertreter von Firmen uns ihre Technologien an. Angebunden an die Messe war eine Tagung, auf der das dominierende Thema natürlich wieder die MOOCs waren. Ich besuchte verschiedene Workshops, insbesondere auch welche mit dem Fokus auf Organisationsentwicklung und der Bedeutung von MOOCs für die Hochschule und Bildung im Allgemeinen. Viel Neues wurde allerdings nicht zu Tage befördert. Besonders interessant waren die internationalen Perspektiven auf das Thema.
Auditorium mit Plätzen für hunderte Personen

Auditorium mit Plätzen für hunderte Personen

Sehr beeindruckend war für mich der cMOOC-Workshop von Inge de Waard, die den mobiMOOC veranstaltet hat.
Ihre Präsentation ist auf Slideshare verfügbar:

Besonders der Satz „MOOCs are money eaters“ regte zur Diskussion an. Geschäftsmodelle sind nach wie vor das Streit- und Reizthema. Besonders die „Hardcore-Konnektivisten“ unter den cMOOC-Machern (mit Absicht provokativ; ich hoffe, es fühlt sich niemand auf den Schlips getreten) schauen sehr kritisch auf die Entwicklungen in der xMOOC-Szene, wo immer stärker auf Vermarktung und Kommerzialisierung Wert gelegt wird. Dass sich diese Kurse nicht ewig aus Fördergeldern finanzieren lassen und auch trotz der anhaltenden Nachhaltigkeitsdiskussion nicht ohne Betreuung ihren Qualitätsanspruch erfüllen können, ist klar. Aber was ist die Lösung? Die Openness in den Wind schießen? SPOCs (Small private online Courses) draus machen? Eine verallgemeinerbare Lösung, die sich auf alle MOOC-Konzepte anwenden lässt und dabei die Openness nicht in Gefahr bringt, gibt es nicht. (Ich habe erst „(noch) nicht“ geschrieben und habe das „noch“ dann gelöscht, denn ich glaube einfach nicht, dass es eine Lösung geben kann). (Dazu noch spannend und auch zu MOOCs allgemein sehr informativ: Robes, J. (2013) „Universitäten verschenken ihr Wissen“)

Zurück zum Workshop: Es war sehr spannend in der Arbeitsgruppe zu diskutieren, denn ich durfte mich mit einem Mosambikaner, einem Dubaier und einem Briten über MOOCs austauschen und stellte fest, dass das Verständnis von MOOCs und die Themen, die einem im Zusammenhang mit dieser Thematik auf der Seele brennen, sehr stark mit den eigenen Interessen und Zielen variiert. Während man in Mosambik wohl stärker an dem Aspekt der Bildung für möglichst viele Menschen interessiert ist, stehen in Dubai eher die Qualitätsaspekte als die Massivität und Zugänglichkeit im Vordergrund. Es zeigte sich auch im Workshop, dass die xMOOC-Macher die Diskussion dominieren und das trotz des wunderbaren Einsatzes von Inge De Waard, die didaktischen Aspekte von cMOOCs in den Hintergrund rückten.

Sicher ist diese Diskussion auf einer doch recht von kommerziellen Interessen dominierten Tagung eine andere als auf einer E-Learning-Fachtagung, dennoch denke ich, dass wirtschaftliche Aspekte uns in Zukunft stärker bewegen (müssen) als uns lieb ist.

Letztlich geht es uns aktuell mit dem SOOC ähnlich. Nachdem die einjährige Finanzierung durch das Hochschuldidaktische Zentrum ausläuft, wird es keine organisierte Nachnutzung der Kurse und Kursinfrastruktur mehr geben. Die Folge: Wir müssen uns (wieder) mit institutionellen Fragen, Aspekten der Organisationsentwicklung und wirtschaftlichen Möglichkeiten und Grenzen auseinandersetzen, um auch weiterhin mit dem SOOC den Gedanken des Konnektivismus erkennen, evaluieren und verbreiten zu können.

So, ich bin ein wenig vom Thema abgewichen, aber manche Dinge fallen einem halt beim Schreiben und Reflektieren ein 😉

Gemeinsam mit Orkan Xaver verließen wir also am Sonntag wieder die Hauptstadt und verabschiedeten uns von Anja – für die nächsten vier Tage, denn kommende Woche geht’s nach Frankfurt zum MOOC-Camp!

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